logbuch cont‘d

7. August 2013

(2. Tag, 5. August – Fortsetzung)

(25.stunde)
10:26uhr: 2postkarten gekauft um meinen zug-liebhabenden-opa zu beglücken und als austausch das w-lan-passwort bekommen.internet!!! so ist doch ein logbuch viel spannender.ich habs gerade so geschafft bis der zug ausfuhr – watn stress. gallert ist hoffentlich nicht sauer, dass ich ihn nicht geweckt habe.
(26.stunde)
11:24uhr: rausschmiss aus dem essensabteil.mit selbstverpflegung hier nicht. diskriminierung!
12:10uhr:kürzest pause in glenwood springs.rote berge, alter bahnhof, rotbrauner fluss in dem dutzende schlauchboote die stromschnellen durchschlingeln. das wasser ist komplett rotbraun, daneben der highway, am anderen ufer unser zug. idyllische badestelle – wirklich
(28.stunde)
13:02uhr: gewitterblitze in der ferne. stürmischer wind. die spannung steigt…regen.
(30.stunde)
14:38uhr: wir fahren durch eine felsschlucht mitnnadelbäumen, die sich gerade so an den abhang klammern, umgestürzten strommästen, gerölllawinen, einem reißend bach. ich glaube wir kommen in die rocky mountains. spektakulär!
(31.stunde)
15:28uhr: stop in granby bei 7900fuß (ca. 2633m)…rocky mountains nationalpark! mittag war lecker, all die hot dog und burger-essenden gucken neidisch auf unsere gekochten eier, paprika, brot und käse, sogar lachs. richtiges essen kostet mind. 20dollar im restaurant. gut, dass wir so viel und so leckeres mitgenommen haben.
(32.stunde)
16:19uhr: schichtschlafen. gallert legt sich jetzt hin, damit ich nachts schlafen kann. wirklich ein prinz
16:52uhr: bewölkt. die strecke führt durch eine stark bewaldete, bergige gegegend. nadelwald, dazwischen seen und jede menge tunnel. um mich rum werden alle immer verrückter, spielen halligalli und büchsendrehen und kreischen laut. very outgoing. dahinten ist ein riiiiiesiger damm.
(33.stunde)
17:21uhr: stärkster regen und heftige winde. die armen kühe, die grassbewachsenen hügel bekommen schottischen charme. langsame fahrt voraus. vielleicht kühlt der regen die warme luft draußen. bin gespannt auf denver
17:50uhr: lieber geige als dieses laute gebrabbel. denver ist groß, im schritttempo fahren wir durch vororte, hochhäuser im zentrum, als grau wegen der wolken. ich will auch chips

Logbuch

6. August 2013

1. Tag, 5. August

9:00uhr: Letzter kaffee an land, Verabschiedung von gundels Eltern. Sitze bequem, Nachbarinnen mit hohem medikamenten-haushalt.
9:15uhr:pünktliche Abfahrt. Ärmliche, vermüllte Gegenden am streckenrand. Keine Menschenseele. Ist es das, was uns auch in Detroit erwarten wird?
9:37uhr: Umzug in die lounge, dachfenster.Ausblick auf die Bucht, Fahrt direkt am Wasser. Optimismus auch auf gundels Seite: „schon cool, dass wir mit dem zug fahren“.

10:02uhr: draußen bewegt sich etwas. Graue Formen. Es sind riesige armeeschiffe, so nah beieinander, dass weder Anzahl noch Größe bestimmt werden können.
10:09uhr: mit einem Schlag blauer Himmel. Zeit fürs Frühstück. Mitgebrachtes essen geklaut vom gestrigen hochzeitsbrunch.
(1.stunde)
10:23uhr: woran ist ein california erkennbar? Er steht vor den 3 exakt gleich aussehenden mülleimern und versucht seinen Abfall zu trennen.
10:25uhr:der Wasserdruck ist so hoch wie beim kärchern
(2.stunde)
11:15uhr: ein selbsternannter freiwilliger scheint das mikro erobert zu haben. er erzählt der lounge in schönstem, rollenden amerikanisch ‚historische‘ fakten über die gegend. noch schöner:irgendwer hat sei okkulele ausgepackt. oder soll das die entspannende hintergrundmusik sein? aiaiai
11:37uhr: stop in roseville.ersten zugfanatiker entdeckt.mit notizbuch und funkscanner läuft er aufgeregt am zug auf und ab. kann er die seriennummer nicht finden?
11:46uhr: ein hase. wir nennen ihn krümel2.
11:47uhr:die okkulele ist weg. hallo mundharmonika. (rotblondes, langes haar; farblich pssender, noch längerer bart; weinflasche und hochroter kopf)
11:54uhr:tunnel.
11:55uhr:noch einer.
12:06uhr: auburn. laut dem freiwilligen geschichtenerzähler wurde die bahnstrecke hier 1865 gebaut. 20 jahre zuvor gabs gold-funde und entsprechend stieg die zahl der bewohner_innen californias. (altitude 1200 feet – 400m)
(3.stunde)
12:15uhr: okkulele und mundharmonika vereint und sie bekommen applaus. so wird das nix mit ruhe. ich hol gleich mein saxophon und gundel die posaune.
12:20uhr: mein russischer opa sagt immer: „bei schönem wetter reisen engel“. es gt vprbei an klein türkisen seen und hügeligem nadelwald auf roter erde bei strahlendem sonnenwetter! (altitude: 2400 feet – 800m)
12:31uhr: atonaler gesang setzt ein. der versuch die hohe okkulele stimmlich zu begleiten scheitert kläglich.
12:35uhr:die fahrt geht über zahnstocherdicke brückchen, vorbei an schluchten, die mir zu tief sind. der fluss 1500 fuß (500m) weiter unten ist wirklich beeindruckend schön zwischen all dem grün. aber müssen alle auf diese seite des zuges rennen für ein photo? was wenn der zug umkippt. 1500 fuhuuuß!!
13:01uhr: ein älterer mann setzt sich auf den platz neben mir und rutscht ganz nah an mich ran und sagt dann mit leiser stimme:“well, you‘re a fine and very pretty girl, aren‘t you“…zum glück steht gallert neben mir und rettet mich wie ein prinz im wind. alle anderen im wagon machen hingegen positivere kennenlernerfahrungen. jede spricht mit jedem. this is small talk lounge…
(4.stunde)
13:17uhr: es gibt hübsche ‚junior conductor‘ bücher mit ausmalbildern, rätseln, geheimen handschlägen und beschriftetennerklärungen der maschinerie.
13:40uhr: ein stausee zählt neben vielen hügeln und dem uns immer wieder begegnendem american river in der tiefe zu den lohnenden ausblicken. uffrejschend!
13:48uhr: wir passieren ’snow sheds‘ tunnelähnliche gebilde mit fenstern, die vor schnee-lavinen schützen, die in diesen höhenmetern schon leben gefordet haben. der katastrophen nicht genug, waldbrände scheinen auch nicht selten zu sein: verkohlte bäume links und rechts
(5.stunde)
14:15uhr: ski-lifte im sommer haben etwas absurdes. wir durchfahren eine wintersportgegend in der so viel schnee liegen kann, dass die häuser mit tunneln verbunden sind. hier liegt auch der höchste punkt der strecke auf knapp 7000 fuß (ca.2300m)
14:19uhr: laut gallert pathologisiere ich – aber das kind neben uns zeigt wirklich symptome des adhs
14:25uhr: ich will chips – die aussicht und moderation mit den vielen kleinen geschichten ist besser wie kinoooo
14:35uhr: der freiwillige (plakette mit 2000 stunden an der brust) kommt regelmäßig nach oben in die panorama lounge um zu überprüfen, ob auch alle zuhören und das richtige photographieren
14:53uhr: im schrittempo tuckern wird durchs land. trotz der schneckenmannier sind wir pünktlich wie es nur geht. bald sind wir in Reno (nevada)
(6.stunde)
15:20uhr: nur noch 46 stunden. yeah
17:06uhr: zurück auf unseren plätzen.die müdigkeit hat uns besiegt, nach diesem kurzschlaf sieht die landschaft wie ausgewechselt aus. wüstenartiger, heller sand, gesprengelt mit dörrigen büschen. die ebene die wir durchfahren ist gesäumt von spitzzulaufenden,windgeformten hügeln. die abendsonne wirft ihr licht und lässt die schatten allmählich länger werden.
(8.stunde)
17:52uhr: lounge. lesen,lesen,lesen.ich „the trumpet“ von jacky kay. gallert „ästhetik des widerstands“ von peter weiss. nur wurde er vor einer stunde von einem smalltalk herren gekidnapped und unterhält sich höflich, während ich mir mühe gebe unfreundlich zu lesen, nicht nochmal so ein creepy guy wie vorhin. neben uns der highway voller lkw, ab und zu eine fabrik. eben ein gefängnis mitten im nichts – furchtbar
(9.stunde)
18:34uhr: abendbrot im camping picknick style. neben lobenden aussprüchen belächelnde blicke.wir sind schon sehr deutsch. aber auch sehr lecker
19:00uhr: eine violine…eine wahrhafte. gespielt von einer grundschullehrerin. dieses amerika…und alles in der lounge. show me what you‘ve got
(10.stunde)
19:22uhr:gleich geht die sonne unter, sie lässt die landschaft wie ein aufgewühltes laken nach einer unruhigen nacht aussehen. wir fahren der zeit entgegen. wann müsen wir die uhren umstellen? plötzlich grün inmitten des sandigen gelbs. rasensprenger in aktion…sonst eintönig, dieses nevada
19:44hr: irgendwer pupst hier die ganze zeit. das stinkt
(11.stunde)
20:22uhr: die klos sind echt klein, mini. und es ist kalt in der lounge…aber das spannende buch lenkt ab. draußen bewegen sich kleine lichter, wir sind schnell. schneller als die lichter, schneller als die autos.
(12.stunde)
21:23uhr: pause in elko, nevada. wir sind zu früh. beine vertreten. warme luft genßen. ist hier mehr als die station?
21:43uhr: schlafenszeit. gallert zieht um, ich quäl mich auf beiden sitzen. sie gehen kaum noch hinten zu stellen. frustrierend.

Logbuch, 2. Tag, 6. August - zeitverschiebung, eine stunde schneller

(21.stunde)
6:50uhr: sonnenaufgang? wüste, hohes bergplateau in der ferne. noch mal umdrehen…wo gallert wohl ist?
(23.stunde)
8:28uhr: ansagen zum frühstück. ist wohl mal zeit gallert zu suchen. gleiche wüstig-felsige landschaft wie zuvor. ein paar grasbüschel. nichts bewegt sich, außer der wind – wir sind in utah
8:35uhr: gallert in der lounge gefunden. zerknautschter als ich. draußen eine häuseraammlung. zerfallen. viele autoleichen. eine geisterstadt aus zeiten der uran-gewinnung
9:08uhr: rötliche felswände zu beiden seiten, ein canyon. erinnert ans zentrum australiens und den uluru. gleich colorado. hunger
(24.stunde)
9:27uhr: colorado bringt einen landschaftswechsel. viehzucht und andere landwirtschaft, flach. die dramatischen bergschluchten sind weit in den hintergrund gerückt. in 5 stunden kommen wir zu den rocky mountains!

San Francisco Sancisco Frisco

31. Juli 2013

vor nun schon einer woche erblickten wir das diesige licht der halbe-millionen-stadt und fuhren erstmal komplett hindurch mit der komfortablen, be-teppichten u-bahn (BART) nach berkeley. dort bezogen wir ein für unsere verhältnisse recht luxuriöses quartier, das neugekaufte haus von gilliberts cousine 2. grades. die wohnen noch bis nach der hochzeit (diesen sonntag) in ihrer wohnung und wir haben alle drei bäder für uns. beschauliche häuschen, die wie großgebaute kuckucksuhren aussehen, gepflegte gärten, die teilweise den gehweg überwachsen und dazwischen queere hippies: das ist berkeley. berkeley hat einen riesigen unicampus, den wir vom wahrzeichen-turm „campanile“ überblickten. nach judith butler haben wir leider vergeblich ausschau gehalten. vergeblich ist auch die suche nach günstigen supermärkten, hier ist alles organic-bio und entsprechend verpreist.

san fran

in san francisco wechselt die schickimicki einkaufspassage ohne wimpernzucken zur dealer-szene und wir verwirrt mittendrin. verirren geht praktisch nicht, dank der hilfreichen straßennamen (1st, 2nd, 3rd). gestern haben wir den heimatlosen tipp befolgt und bestiegen das hügelige chinatown (furchtbar touristisch und leider nicht so meins) und den ehemals als kommunistisch verschrienen coit-tower. dort, sowie auf einer „block-Party“ im mission district, sind jede menge murals zu sehen. mir ist das zu bunt, aber spannend nichtsdestotrotz.


block party 24th street / mission

mission ist ein bezirk in san francisco, der vielleicht mit neukölln vergleichbar ist. viele hispanische menschen und an jeder zweiten bis dritten ecke blüht unauffällig grell ein laden und ausgangspunkt der gentrifikation. von dort aus verbreiten sich die teuren oasen in denen coole postkarten und gender-theorie-bücher auch wir kaufen.
nebenbei versuchen wir mit den überwältigenden hochzeitsvorbereitungen zu helfen. niemals einen sitzplan erstellen, in dem 140 leute, teils verwandt, verstritten, frisch verliebt oder sozial inkompetent untergebracht werden müssen. trotzdem alles entsprechend lange dauert, gefällt es mir gilliberts familie
kennenzulernen und zu erleben. besonders spannend sind die kommunikationsabläufe, das heiratende paar ist gehörgeschädigt bzw. gehörlos. in der zeremonie wird also sowohl das, als auch die jüdischen und deutschen wurzeln einfließen mit dem berkeleyschen queeren publikum.
heute sind gilliberts eltern eingetroffen und mitsamt des mietautos erkunden wir per golden gate bridge marin county. uns sind die füße schwer von all den betonschluchten, die wir shoppend durchliefen.

teaser

15. Juli 2013

wie zu erwarten habe ich alle klausuren überstanden. meine freiheit noch nicht ganz begreifend, widme ich mich jetzt so wunderbaren zeitverplempereien wie der steuererklärung, arbeiten und angenehmeren urlaubvorbereitungen.

in einer guten woche gehts los. grindelwald und ich fliegen am 24.7. nach san francisco zu einer riesigen hochzeit um dann viele, viele stunden im zug zu verbringen und über chicago und detroit nach new york zu fahren.
dort wird grindelwald ab dem 19. august sein praktikum antreten und nur ich muss zurück ins dann sicherlich noch grauere deutschland.

nichtsdestotrotz, die vorfreude ist groß! das wird ein ganz besonderer urlaub. mein erstes mal in den USA und falls ihr tolle Tipps habt oder jemanden kennt, der uns die ein oder andere Nacht eine schlafstätte bieten kann, kommentiert!

berichte folgen ab dem 24.7.

kulturschock

25. März 2013

35°C temperatur unterschied. rechtsverkehr. kontrollettis. schnee! s-bahnen, heizungen, kaufland, alle(s) weiß, keiner lächelt. niemand fragt: how are you?

schmerzlos ist die umstellung nicht. aber was soll mensch machen. in der bibliothek ist es schön warm, das internet flutscht und blogschreiben ist sinnvolles prokrastinieren, weil es schreibhemmungen überwindet. nicht dass ich solche hätte.

resümee:

2500 km ist Gottwald autogefahren. und dass, obwohl stellenbosch und durban „nur“ 1600km voneinander entfernt sind. tolle leistung! (vorhaben diesjahr: fahrerlaubnis machen)

sparsamster und teuerster urlaub: jede nacht im dorm für mindestens 10 euro p.P. und jeden abend kochen (so viel müsli aß ich noch nie)

angst vor dem land ist sicherlich nicht unbegründet, die häufige paranoia aber übertrieben. es ist wahrscheinlicher einen platten durch die schlaglöcher zu bekommen, als ausgeraubt zu werden (wenn mensch weiß wie) – beides haben wir glorreich vermieden.

am schönsten war es im wild lubanzi backpacker und auch sonst hatten wir fast nur besonders schöne hostels.

fahrt da hin, aber wartet nicht zu lang. sonst wird’s zu teuer.

die reise war aufgrund ihrer kürze wie das schnelle durchblättern eines zu kaufenden buches. jetzt wissen wir, wo es besonders schön ist und wo länger zu bleiben sich lohnt.

bald dann diashow.

ps: siehe nachtrag im jozi-beitrag

jozi – joburg – johannesburg

22. März 2013

Durban hat die höchste Anzahl an indischen Bewohnern außerhalb Indiens. Viel haben wir davon nicht mitbekommen, nur auf der Busreise nach Johannesburg, wo wir die einzigen weißen touris waren. die anderen unserer art fahren alle mit dem BAZ-Bus. dieser fährt von hostel zu hostel, von enklave zu enklave und ist ziemlich teuer. dennoch nutzen ihn alle, weil er als sicher gilt und die angst vor der gefahr größer als die gefahr selbst ist. möglicherweise. durban widmeten wir keinen zweiten blick, was aber nicht durban geschuldet ist, sondern viel mehr der nächtlichen erfahrung im Happy Hippo Backpacker. Schlecht! um 3uhr wand ich mich endlich aus dem bett, inzwischen war ich mir sicher, dass die vielen juckenden stiche von bettwanzen stammen und nicht mücken oder sonnenallergie waren. die selber erfahrung hatte ich schon mal in argentinien. durchs früher aufstehen, dachte ich schlimmeres verhindert zu haben. dem war jedoch nicht so. dafür habe ich ein sehr spannendes buch von vorne bis hinten durch gelesen: T C Boyle, Das wilde Kind. die geschichte kannte ich schon vom Studium, da der Wilde von Aveyron für die (Behinderten-)Pädagogik eine wichtige Rolle spielt.
das hostel weigerte sich mein leiden anzuerkennen, behauptete es seien mosquitos und ich solle mir das bestätigen lassen in einer apotheke. dazu war keine zeit, der bus wartet nicht. ich habe es in jozi nachgeholt, weil hier dann auch noch alles anschwoll (allergische reaktion, jippieh). bis jetzt keine antwort des hostels.

in joburg angekommen waren wir schlecht vorbereitet und unser eigentlicher plan in soweto zu schlafen scheiterte daran, dass niemand dort ans telefon ging. die zweite wahl lag im nördlichen vorort und wir hätten entweder im sicheren shuttle für 100rand oder im minibustaxi für 20 rand fahren können. der weg zum mini-bus-taxi-bahnhof war geprägt von hilfreichen obstfrauen. eine davon scheuchte sogar einen aufdringlichen typen von mir fern. sehr cool.
der riesige mini-bus-taxi-bahnhof war das nächste abenteuer und dann an der richtigen stelle aussteigen und ohne karte das hostel finden steigerte die anforderung. leicht blutend und vollkommen k.o., mit der hilfe von insgesamt bestimmt 50 leuten, die alle lächelnd helfen wollten (ohne gegenleistung zu erwarten) fanden wir unsere hiesige idylle. der bezirk ist zu reich für unseren geschmack, edelkiez mit teuren restaurants und einem
supermarkt, in dem man geschnittenen knoblauch kaufen kann!!! shocking.

gestern war human rights day und wir füllten den tag angemessenerweise mit einem besuch im apartheidsmuseum. es lohnt sich dort hinzugehen, aber die fülle an informationen in einem besuch zu bewältigen ist für normal-schlaue kaum bewältigbar.

die video-sequenzen und die 131 schlingen (so viele politische gefangene sind in gefängnissen zu tode gekommen) waren mir zu explizit und grausam. kleine kinder saßen gebannt vor den filmen in denen die blutigen schlachten gezeigt wurden, die der wahl 1994 vorausgingen.

es hat sich bestätigt, was schon in anderen reiseberichten erwähnt wurde. während die schwarze nachmittags-rezeptionistin genau erklären kann, wie mit den mini-bus-taxis zu fahren ist, konnte die weiße inhaberin des hostels keinerlei infos dazu rausgeben. wagemutig haben wir es trotzdem versucht und waren erfolgreich. so haben wir mehr vom land, wo wir doch schon so viel zeit separiert im auto verbracht haben.

guildo und ich freuen uns schon auf die uni, aber nicht auf den schnee!

drakensberge & lesotho

18. März 2013

von unserem entspannsungsdomizil an der wild coast fuhren wir zu den drakensbergen bei lesotho. auf dem weg gerieten wir in ein stürmisches und sehr regenstarkes gewitter. obwohl gerhardt aufm dorf groß wurde, war es auch für ihn das erste mal einen blitzeinschlag zu sehen. ich war überzeugt, wir würden die nächsten sein und zurück in die zukunft reisen. sah nämlich etwa so aus: der blitz schlug in ein undefinierbares ziel und für etwa 5 sek. leuchtete es neonblau. schwer beeidruckend. der regen und die dicken wolken blieben leider auch am nächsten tag, dem tag unserer tour ins mysteriöse Lesotho. im 4WD ging es mit einem sehr gesprächigem, wenn auch frauenwitze-liebenden älteren herren auf den Sani-Pass mit grenzübertritt. Lesotho ist ein demokratischer königstaat, zu 99% christlich und alles ist über 1500m hoch. Im gebirge leben etwa 15%, davon sind ca. 50% analphabeten und die jungs gehen nur bis zur 7.klasse zur schule, trotz 10-jähriger schulpflicht. danach kostet die schule geld und im gebirge sind die menschen noch ärmer als in den städten, die jungs werden zu hirten geschult, die mädchen gehen weiter zur schule und arbeiten später meist als post-/ bank-/ regierungsangestellte. krankenversorgung ist kostenlos aber weit entfernt. aufgrund der vorherrschenden christlichen werte ist lesotho besonders sicher. oho!
wir fuhren mit unserem guide auf 3200m höhe, konnten viel weißes, nasses nichts sehen und trafen besagte hirten. die wollten sich unbedingt mit uns photgraphieren lassen, nicht ohne die jungen frauen ein bisschen zu betatschen. das war sehr unangenehm. der guide hingegen wies uns in deren anwesenheit auf die guten zähne hin, die würden vom gesunden brot und nahrhaftem bier so weiß und gesund leuchten. alles sehr bizarr.

so sehen die hirtenbehausungen aus:

ich habe ein paar postkarten gekauft, die zeigen, wie schön die aussicht hätte sein können. die tour war dennoch spitze – die wolken passen zu lesotho.

wie um uns zu ärgern, strahlte die sonne heute doppelt so schön. das nutzten wir aus und begannen den tag mit einer 3-stündigen wanderung auf der wir dann endlich die drakensberge unbedeckt zu sehen bekamen.

da wir morgen früh das auto wieder zurückgeben mussten, düsten wir im anschluss nach durban. wie johannesburg woll es nachts recht gefährlich sein. dass wir im dunkeln ankamen bot also einiges an nervenkitzel. morgen früh fahren wir 8h bus nach johannesburg, falls wir rechtzeitig das auto loswerden. nur noch sooooo kurz!

im wilden nirgendwo

15. März 2013

internetknappheit macht sich breit. und gleich auch noch strommangel. wer nirgendwo will, muss halt zurückstecken. leider sind dies genau die 2 dinge, die gordon gerade am dringendsten braucht, denn – wen überrascht’s – er muss arbeiten.

nachdem wir M. in swellendam in den bus gesetzt haben, bretterten wir weiter durchs schöne, hügelige land nach Mossel Bay. Das ist der erste Ort der sog. Garden Route. Wir haben einiges über dieses Reisenden-Lieblingsziel gelesen und uns dann dagegen entschieden, diesem pfad zu folgen. überteuerte nationalparks, in denen mit Cheetahs gekuschelt, auf Straußen geritten, mit haien getaucht und aus flugzeugen bzw. von brücken gesprungen werden kann.
wir verließen unser schönes, sehr leeres Hostel an der Küste und tauschten es mit einer ebenfalls leeren farm beim Addo Elephant Nationalpark. Wiedermal voll öko, hätten wir die duschen mit biobenzin erst betanken & anzünden müssen, um 7min später warmwasser zu kriegen. das war uns nicht-physiker_innen etwas zu abenteuerlich/anstrengend und unser gestank hat wohl dazu geführt, dass wir im Nationalpark kaum tiere sahen. Gerademal einen Elefanten! von 400 dort lebenden. Außerdem noch lustige Warzenschweine, jede menge zebras und einen schilkrötenkampf. der war sehr aufregend. die eine schildkröte hat die andere einfach auf den rücken gedreht. sogar tiere mobben sich. wir haben wagemutig eingegriffen.

der arme gordon muss immer fahren. an diesem tag gings noch weiter zurück an die küste. chintsa war nicht leicht zu finden, lohnt sich aber. die wild coast ist bekannt für ihre malerischen strände und den nutzten wir gleich morgens noch vor dem frühstück und im sand gabs fleißig frühsport. trost für die eingeschneiten: das wasser war voll kalt.

inzwischen sind wir noch weiter nördlich. jeden tag an die 400km kloppen wir. das ist anstrengend, die straßen sind zwar meistens gut, aber es zieht sich. gestern waren besonders viele schwertransporte und schlaglöcher auf der strecke. erst im dunkeln kamen wir in der wild lubanzi lodge an. die letzten 3 km straße sind so schlecht, dass wir im jeep abgeholt werden mussten. hier ists voll öko, klar. strom nur im dunkeln und bis 22uhr per generator. internet via handynetz, aber so mitten im nirgendwo und so toll gestaltet von einer schweizerischen auswanderin und ihrem südafrikanischem mann. toller ausblick, viel sonne & wind und dazu 2 riesen hunde und 6 katzen, hühner, gänse – genau nach meinem geschmack.

auf den langen fahrten sehen wir viel vom land. die intensivste zeit verbringen wir in mehr oder weniger weißen enklaven, in den hostels arbeiten schwarze oder coloured südafrikaner_innen häufig nur als putzkräfte. nicht überall, hier zum beispiel werden freiwillige unterstützt, die beim aufbau von kindergärten u.a. sozialen projekten in den umliegenden dörfern helfen. putzen tun die inhaber_innen selbst. dennoch weiße enklave.
unsere enklaven verlassen wir auf den fahrten und sind teilweise überfordert von dem starken unterschied in den ärmlichen städtchen, wo wir als weiße beim einkaufen schon etwas besonderes sind. der straßenverkehr ist plötzlich chaotischer, die atmosphäre eine ganz andere. vielleicht liegt es auch daran, dass wir gen norden fahren.

jede größere stadt kündigt sich mit den umliegenden townships an. die ärmlichsten bestehen hauptsächlich aus bretterverschlägen oder wellblechhütten, deren dächer mit steinen beschwert am platz gehalten werden. reicher wirkende townships bestehen aus kleinen häusern, die schachbrettartig angeordnet sind und durch ihre farben auffallen. in den dörfern gibt es dazu noch rondawels, traditionelle rundhäuser. ins auge sticht, dass es nur 4 farbvarianten gibt. früher gab es nur diese und inzwischen wird es aus tradition beibehalten. die townships sind von stacheldrahtzäunen umgeben, die zur wäscheleine umfunktioniert werden. es gibt viele mauern in diesem land.

südlichster punkt afrikas – cape agulhas

11. März 2013

In stellenbosch haben wir am bis jetzt einzigen Regentag die weintour gemacht. genau eine weinerei haben wir geschafft. es wurde sogar eine 6€-flasche gekauft. wein is echt spottbillig hier. anschließend sind wir auf eine surferparty gegangen. da sahen alle gleich aus: blonde, lange haare, schwiegermutterlächeln und umgedrehtes basecap. die meisten hatten auch rote augen – bestimmt vom salzwasser.

seit samstag haben wir ein mietauto. nicht ganz unproblematisch, weil Gregorys Kreditkarte ein limit von 500€/woche für südafrika auferlegt bekommen hat. nach 1,5h telefonieren und faxen (machen) hatten wir das fast nigelnagelneue auto inner täsch. damit düsten wir die küste entlang, zu dritt fürs wochenende. weils so malerisch war, hielten wir oft um photos zu schießen.

die hälfte der strecke war unbefestigste schotterstraße. niegelnagelneues auto hin oder her, wir bretterten durch nach Elim, eine verlassen wirkende ehemalige mission voller weißer häuser mit reetdächern.

vorbei an vogelstraußen fuhren wir nach L‘Agulhas, der ort in dem der südlichste punkt afrikas markiert wurde. merkwürdigerweise sind im hiesigen Backpacker nur deutsche. oder ist es wirklich so merkwürdig? südlichster punkt ist letztendlich doch nur versuch der perfektion: beste, schönste, höchste und vorallem größte kuckucksuhr (zit. n. Deckname Dennis – Film).

es ist ziemlich leer hier – es kostet nicht mal eintritt den südlichsten punkt, das Kap Agulhas, zu besuchen (die Frage ist, wie lange noch).

die küste ist weniger spektakulär als am Kap der guten Hoffnung, dafür hat sie aber wohl an die 150 Schiffwracks gefordert. eines davon haben wir photographiert:

den rest des tages verbrachten wir im De Hoop Nationalpark, der unbekannt ist, jedoch Lebensraum für die Bonteboks (eine gefährdete Antilopenart), Bergzebras und viele, viele Vögel. Außerdem gibt es an der Küste Sanddünen, die Wüstengefühle wecken. 30min darin rumgestackst und ins sandkastenalter zurückversetzt, hatten wir ne menge spaß und noch mehr sand…einfach überall. auch jetzt, nach ausführlichem duschen, habe ich immer noch sand in den ohren.

heute trennt sich M. wieder von uns – sie muss fleißig in Stellenbosch weiter studieren. ständige tests und essay-abgaben verhindern jegliche entspannung. mir hat die bmw-weiße-studierenden-stadt Stellenbosch nicht wirklich zugesagt. die beschriftungen nur auf afrikaans und einlass in die uni nur mit chipkarte…lieber nicht. zum abschied gehts an den strand, um im indischen ozean zu baden. der atlantik war einfach zu kalt!

table mountain & stellenbosch

7. März 2013

die letzte nacht in kapstadt war geprägt von schlafrednerinnen und weckern, die lautstark die uhrzeit verkünden.
nicht schlimm, denn wir wollten mal früh aufstehen um den alles überthronenden Tafelberg zu erklimmen.
Zuerst fuhren Gilbert und ich mit dem bus nach Kirstenbosch zu den botanischen gärten. die zeit erlaubte keinen längeren besuch, trotzdem mussten wir für die bloße durchquerung schon eintritt zahlen.
durch dankbar schattigen wald kletterten wir über stufen, steine und leitern den skeleton gorge hinauf. dann hatten wir 1,5h schönste blicke auf die cape flats bevor uns die wolke einhüllte. wäre es nicht bewölkt gewesen, dann hätten wir es auch vor hitze nicht ausgehalten. der höchste punkt ist der maclear’s beacon mit 1088m:

von dort aus liefen wir eine knappe stunde durch die wolken zur rotierenden Seilbahn. auf dem weg trafen wir enttäuschte flipflop-touris, denen der blick verwehrt blieb.
zurück im hostel fanden wir heraus, dass wir sofort los müssen, um die zugverbindung nach stellenbosch zu bekommen. obwohl wir nur 46km entfernt sind, fuhr der zug 1h lang (für 1,75€ p.p.).

stellenbosch ist die 2 älteste stadt und sehr kolonial anmutend. die riesige uni füllt die halbe stadt und es wirkt im allgemeinen sehr wohlsituiert und sehr weiß. bekannt ist die gegend für ihren wein und morgen werden wir uns diesem widmen (ich hoffe auf traubensaft). fahrradfahren wäre schön, da aber die anderen weinverkoster nach ausführlicher weintour noch autofahren, wird davon abgeraten. deswegen kommt A. und fährt uns besoffen umher… is hier wohl so üblich und wenig problematisch.

taxis gibts hier nur auf anruf und so sind wir gestern ne stunde mit dem rucksäcken zum am a.d.w. hostel gelatscht – und das nach dem anstrengenden tafelberg. heute also ruhetag mit art gallery, kochen und uniführung von M.