detroit – die stadt ist tot, es lebe die stadt

30. August 2013

unseren mut zu testen hat sich detroit scheinbar oder anscheinend vorgenommen. nach südafrika wohl eine gegend, über die das gerede um gewalt und kriminalität vergleichbar präsent ist. ausgerechnet hier muss amtrak beweisen, wie sehr verspätung zum image dieser zuggesellschaft gehört. um im dunkeln und ohne richtige busverbindung zum hostel zu kommen, liefen wir also schwer bepackt, quasi mit aushängeschild „please rob us“, bestimmt 2 meilen durch gefühltes niemandsland. ich habe gesungen, um die räuber fern zu halten. wenns bei bären klappt?
es hat diesmal funktioniert, nur wäre germanus mir auch fast von dannen gelaufen.
das hostel detroit ist sehr empfehlenswert, weil gemütlich, familiär und (zu) gesprächig. außerdem sind alle alternativen angeblich verwanzt und wo sonst gibt es so gemütliche 2-bed-dorms/doubles für die usa günstig?
der hostelwarden gab uns eine einführung in detroitsche überlebensregeln: nicht auf dem kaputten, grasüberwachsenen gehwegen laufen, sondern auf der straße, dann siehste potentielle angreifer, die ausm gebüsch gesprungen kommen, früher. und: davorne an der schule NICHT links gehen. macht alles was ihr wollt. nur dort nich links gehen. überall wo das gras nicht gemäht wird, hat die stadt die kontrolle verloren. oder das grundstück gehört der stadt. naja – egal.

ohne gepäck und auf der suche nach essen, stellten wir fest, dass besagtes niemandsland eines der belebteren fleckchen detroits ist: corktown, mit bars und restaurants und fast schon nachtleben.
der nächste tag wurde ähnlich beton-lastig und mein fuß machte derart querelen, dass wir ausnahmsweise wegen mir pausieren mussten.

zu unserem glück war das museum of contemporary art detroit (mocad) leider geschlossen , dafür das museum mit den ganzen picassos und monets und riveras kostenlos. lange haben wir das nicht ausgehalten und sind auf phototour durch die straßen gewandert, menschenleer bis auf vor wohnunterkünften o.ä., wo offen drogen verkauft wurden.

wir aßen miniburgers oder slides in den „green dot stables“ genauso empfehlenswert wie „Slows Bar-BQ“, aber sehr fleischig-fettig und nicht gut für die haut. diese bar-restaurants boomten und auch andere stadtteile sind geprägt von den zuziehenden studis, die ihre chance der selbstverwirklichung und des mitgestaltens einer neuen phase der stadt nutzen. die mieten sind hier halb so teuer und besonders kunstprojekte und neuartige musik finden starken anklang. detroits lokalpatriotismus scheint ungebrochen, wenn nicht gar gestärkt und in „resident-advisor-videos“ wird von dieser einzigartigen vorreiterposition detroits geschwärmt. detroit lohnt sich!
unser nächster tag war so verregnet, dass wir uns hauptsächlich in einem riesigen, 4-stöckigen bücher-antiquariat (John K. King Used & Rare Books), in einer hot-dog bar und in einem platten-laden rumdrückten.

wir haben aber auch Kanada gewunken und nette busfahrer kennengelernt. diese haben öfter mal kein papier mehr für die ticket-maschine so dass ne kostenlose fahrt für alle bei rumkommt, oder mal eben ein kreuzender bus angehalten wird, um den komisches touris das transfer-ticket zu drucken. andererseits fällt der ein oder andere bus auch mal aus, was zu schweißtriefenden, gepäckbeladenen, stressgepeitschten märschen durch die dunkelheit führt. so wies anfängt – hörts auch auf. mit verspätungen.

pure devotion

12. August 2013

amtrak – mitarbeitende müssen bestimmt vor jedem dienstanritt auf den zug und nichts als den zug schwören. verspätung gehört da dazu. als die auswechsel-crew bei einer unserer fahrten verspätung hatte, gab es über die lautsprecheranlage eine lange erklärung zu den ursachen. wir wurden fast zu tränen gerührt, als die – zitat: „heroischen anstrengungen“ – der auswechsel-crew beschrieben wurden. der abzulösende schaffner versicherte uns mit gefühlsschwangerem tremor in der stimme, dass der nächste seiner sorte ein ganz besonders fähiger, toller sei und er schon viel und gerne mit ihm zusammen gearbeitet hat. diese notfall-crew käme extra mit dem taxi angefahren und begleite uns dann sicher zur endstation, bevor sie wieder mit dem taxi zur ausgangsstation fährt. heroisch – wirklich einfach nur heroisch, die arbeit, die sie vollbringen. und das alles für uns!
ganz klar, dass dann so 1-2 stunden verspätung ohne wimpernzucken so gut wie bio-honig schmecken.

….heute abend gehts wieder auf tour. diesmal nach new york. erstmal per bus nach toledo, dort mitternächtliche 4h aufenthalt und dann 16 stunden zug, yay! logbuch folgt.

oh windiges chicago

gefallen hats, sehr sogar. und die vorfreude auf new york steigt. wir haben 2,5 tage hier verbracht. die ankunft war zugegebener maßen sehr getrübt von dem verloren gegangenen rucksack und den 52 stunden zugfahrt zuvor. umso schöner war es im hostel anzukommen und nach der ganzen gesunden ernährung im zug mal hot dog und gyros zu essen. unser hostel „parthenon“ liegt im griechischen viertel und wird von griechisch sprechenden leuten geführt. wobei der frühstücksaufpasser eher deutsche qualitäten aufwies. mich traf es gleich am ersten morgen. kaffeetassen ohne untersetzer und die falsche gabel fürs toast – klar, dass mir auch erstmal der toaster erklärt und nach mir die kaffeekanne in exakt ursprüngliche position gedreht werden muss. als service galt auch der laut plärrende fernser, der größer als der buffet-tisch war und nur werbung ausspieh.

wir haben viel photographiert und hatten touri-spaß bei der ‚bean‘, eine bohnenförmige, komplett verspiegelte photoattraktion in see-nähe. außerdem waren wir in jedem ‚walgreens‘, das wir finden konnten um goliath den bart abzuscheren mit der perfekten maschine.
besonders gefallen hat uns das mc donalds hier billiger ist.

neiin, quatsch. besonders gefallen hat uns chicagos ‚museum of contemporary art‘. dort gab es photoausstellungen, videoinstallationen, interaktive bauten, (comic-) zeichnungen und kunstkram, wo mir noch die kulturelle ausgefeiltheit fehlt es a) zu benennen und b) den kunstfaktor daran zu verstehen. eine entdeckung war der kurzfilm eines israelis, der mitsamt familie ohne drehgenehmigung ins ikea einzog und kurzerhand ein spontanes theaterstück inszeniert, das grundlegende, gesellschaftskritische fragen aufwirft: stealing beauty von guy ben ner
das parthenon hostel ist okay, geschlechtergetrennte dorms haben für mich nur einen vorteil, wenn sie schnarchfrei und geruchsarmer sind. beides war leider aufgrund ignoranter mitbewohnerinnen und verrammelter fenster nicht zu meinen gunsten. dafür gibts in detroit 2-bett dorms, genial! (falls wir je kommen, der zug sammelt gerade verspätung im schritttempo)

goliaths rucksack ist übrigens problemlos am folgetag eingetroffen. die wiedersehensfreude war groß (und geschenkte 100$ sind och super)

oh, und wir haben chicagos berühmtes essen gegessen: deep dish pizza- reicht für 2 leute und 1,5 mahlzeiten (und das ist die kleinste größe)

hochzeit mit ochsen und emu

10. August 2013

ein jahr. ein ganzes, gesamtes, vollständiges, komplettes jahr hat die vorbereitung dieser hochzeit in anspruch genommen. wir haben die letzten 10 tage mitbekommen und der soziale stress hat sogar mir ein paar stunden schlaf geraubt. so viele dramen! gzsz war nix dagegen. dank seiner layout-künste, konnte gary etwas unterstützen, was uns endlos gedankt wurde. kreisförmige gespräche.

die diablo ranch (ort der trauung) liegt hinter walnut creek/ pleasant hill ca. 25 meilen ins landesinnere nordöstlich von berkeley. schon allein der shuttle ließ die dekadenten ausmaße erahnen der festivitäten die da kommen. ein limousinen bus. wir fuhren mit dem auto in den nationalpark, der wirklich schöne blicke versprach über hügel mit karger natur, gelb verdorrtem gras und alten, knöcherigen bäumen.

eine vollfunktionstüchtige ranch mit werkstatt und komplett mit cowboys und -girls, die im sommer und spätherbst jedes wochenende hochzeitsgesellschaften bewirten. es empfingen uns 20 weißbezogene tische mit 4 verschieden gläsern, tellern und besteck pro person, für deren adäquate benutzung wohl ein studium notwendig ist. dekadenz hin oder her, es sah als so schön aus, das der hinweg und der aufwand, den dieser mit sich brachte, plötzlich gerechtfertigt schien. ein wirklich fabelhafter ort für so ein wichtiges ereignis.
die zeremonie fand unter einem riesigen, schatten spendenden baum statt und rührte viele zu tränen, inklusive braut. für die übersetzung der gebärdeten ‚vows‘ (gelübde) gab es drei dolmetscher_innen und die trauungs-beauftragte sprach mit hand und stimme. anstatt zu klatschen wedelten wir unsere winkelemente über unseren köpfen (dünne stäbe mit 2 bunten bändern). es wurde unendlich photographiert und gefilmt und die vier kleinen blumen- und ringkinder (2-&4-jährig) waren wirklich zum quietschen niedlich.


die trauung

nach den professionellen hochzeitsphotos wurde das paar auf einen mit weißem tüll ausgekleideten traktor-anhänger geparkt und die 20meter zum dinner gefahren. kiiiitsch!
dem ausgefeilten sitzplan entsprechend saßen wir mit 4 gebärdenden jungen lehrer_innen am tisch. wir kamen also stellenweise in den genuss einer übersetzerin und oft haben wir uns über lippenlesen verständlich machen können, während bestimmt die hälfte der gehörlosen gäste dort verbal sprechen konnte. nach etwas gewöhnung, die wir auch durch die gespräche mit gary’s cousine hatten, verstanden wir das meiste. ich hab mir oft gewünscht, dass ich die ressourcen meines uni-instituts genutzt und im vorfeld einen gebärdensprach-kurs gemacht hätte. es kommt auf die liste mit den vielen vorhaben. wir hätten uns dann dennoch nur schwer verständigen können, weil die gebärdensprachen der verschiedenen länder sich ähnlich stark unterscheiden wie die gesprochenen sprachen. nur französisch und amerikanisch sind sehr ähnlich, weil eine französin die erste gebärdensprachschule in den US of A eröffnet hat.
während der vorspeisen kamen die ‚toasts‘ oder glückwunsch-reden, wieder sowohl gesprochen wie auch gebärdet und dreifach übersetzt mit beifall per serviette in der luft. ich bin jetzt auch überzeugt, dass die beiden frischgetrauten ganz wunderbare, besondere menschen sind, die zusammengehören, perfekt füreinander geschaffen wurden und durch sie die welt ein besserer ort ist. aber nach 10jahren beziehung wars ja wirklich auch mal zeit…hmm. ich glaub heiraten lohnt allein wegen des ego-boosts.
zum dessert gabs den ersten tanz, für den das paar extra tanzstunden nahm. salsa ist sicher so schon schwer genug, wie schwer muss es sein, wenn die musik unhörbar ist?der bass war ziemlich schwach, aber die beiden waren dennoch glanzvoll. nichtsdestotrotz wirkte es auf mich gezwungen konventionell, gezwungen „normal“… aber es ist gefährliches terrain zum urteilen. soweit ich das verstanden habe, begreifen sich große teile der gehörlosen gemeinschaft als eigenständige kultur.


auch wir haben uns aufgehübscht

einen vollgestopften bauch, viele smalltalks und endlose photos später, verabschiedeten wir uns vom stark strapazierten paar und all den buntgemischten leuten von der botox-lady bis zur rebellischen 17-jährigen mit den punkigen haarfarben.
ein paar sahen wir beim brunch am nächsten tag im größten, luxuriösesten, komplett weißen und von überall sichtbaren claremont hotel wieder. dort haben wir ganz viel essen geklaut für unsere 52-stündige fahrt nach chicago am darauffolgenden tag.

google me

9. August 2013

gerards mutter übernahm die ehrenvolle aufgabe auf die UPS-Lieferung zu warten, so dass wir mit väterlicher fahrkraft nach silicon valley auf abenteuer fahren konnten.
erste station: facebook-headquarters (hacker way 1)

facebook hq

ein verwirrendes, flaches gebäude, das von allen seiten gleich aussieht. zuerst wollten wir keine böse absicht unterstellen, trauten uns aber vorsichtshalber nicht außer sichtweite des autos, um den fluchtartigen rückzug im falle einer leibhaftigen firewall zu sichern. die firewall entpuppte sich dann neben intensiver videoüberwachung (sind wir jetzt auf facebook?), als süßigkeitenschale, lächeln und gekühltem softdrink. das alles schaffte es fast – aber nur fast – unsere aufmerksamkeit vom schlaraffenland im innenhof fernzuhalten. bunt, glücksversprechend, sonnig und voller menschgewordener facebook-interaktion glitzerte uns der „campus“ an, den zu betreten uns verwehrt wurde:“do you know someone INSIDE?“….marc zuckerberg? mit einem müden lächeln wurde uns erklärt, dass wir am parkplatzeingang ein photo neben dem ‚daumen-hoch-symbol‘ schießen dürfen (und auf facebook posten), was wir argumentationslos machten.

zweiter stopp: google headquarters (in paolo alto)
etwas enttäuscht aber hoffnungsvoll folgten wir dem bunten hinweisschildern. blau, grün, gelb und rot – das sind unsere farben. so gestaltet waren auch die fahrräder, die wir sofort bestiegen (ich etwas zweifelnd, ob wir dürfen).

google bike

im sonnenschein befuhren wir den riesigen campus, der voller beschäftigter menschen mit google-shirts war. die joggten, aßen, fuhren fahrrad, saßen aufm sonnenstuhl am laptop, diskutieren in runden oder spielten lautstark mannschaftssport. alles das bezahlt und glücklich. glückliche kleine arbeiterlein, die kreativsten köpfe des landes, die effektivsten teamworker, die zwischen skulpuren spazierend die welt neu erfinden. das campusmuseum und der rest dieser traumwelt wurde uns wieder mit einer ablehnenden süßigkeit schmackhaft verwehrt.

google

der abend dieses 1.august klang wohlschmeckend beim abendmahl im ferienhaus von potsdamer freund_innen aus, wo ich das wohl intensivste harry potter gespräch über mehrere stunden führte. das war besonders schön und umso beeindruckender wie gut&lang trotz der dekade an altersunterschied wir uns unterhalten konnten. danke :)

logbuch letzter teil

8. August 2013

(2. Tag, 6. August)

(34.stunde)
18:34uhr: denver. denver hat zwar keine chips für mich, dafür aber w-lan, ein seltenes gut bei 52stunden zugfahrt. auf der bahnfahrt fallen uns einige besondere menschen auf. immer rastloser werden sie. dieser zug zieht sie alle an. mit selbstverständlichkeit wird in der lounge musiziert, das zgt doch von offenheit. oder mythos amtrack? in denver wurde einer dieser etwas auffälligeren typen rausgezogen. kontrolliert. alle taschen ausgepackt. würdelos auf dem gleis vor aller leute augen. im zug wird aufgeregt von einer sitznachbarin zur anderen getragen, dass der mann angeblich ein GPS-gerät geklaut hätte. nichts wird gefunden.
(35.stunde)
19:54uhr: wir haben einen soziologiestudenten aus berkeley kennengelernt. er scheint sehr gut informiert über berlin. wir haben über die ähnlichkeit der anti-gentrifizierungsbewegungen in verschiedensten städten auf der welt gesprochen.
20:06uhr: weiteren sitznachbar ins gespräch einbezogen (es ist so normal jeden auf alles anzusprechen). binnen weniger sätze kommen wir auf das thema mariyuana. es ist inzwischen in colorado und washington komplett legalisiert. wir haben in berkeley öfter mal was komisches gerochen, auch dort ist es so gut wie legal. gegen eine verschreibung vom arzt, wegen z.b. rückschmerzen, ist es ohne strafe zu besitzen, konsumieren, alles. verrückte welt!
20:14uhr: sonne weg. abendbrot? abendbrot!
(37.stunde)
21:42uhr: stockduster.ab und zu erhellt ein blitz das dunkel. wir fahren durch ein gewitter. das brot wird knapp, werden wir den morgigen tag überstehen? es regnet wie hölle, die blitzfrequenz steigt auf alle paar sekunden. die klimaanlage pupst.es stinkt. aber das lichtschauspiel ist beeindruckender…hört garnicht mehr auf. es sind inzwischen sehr viele junge leute an bord, in unserem alter. tagsüber lassen sich die familien und rentnerpaare mehr blicken. die jungen männer brüllen lauter. alle sollens hören, dass sie 230 meilen gewandert sind. ich werde dieses logbuch vermissen. sonst darf ich nie so viel meckern. noch 16stunden glückseligkeit

3. Tag, 7. August (weitere zeitverschiebung um eine stunde)

(43.stunde)
5:45uhr: bumm.plötzlich fällt eine frau auf mich rauf, verklemmt sich zwischen den sitzen und ich bin erstmal wach. wir sind schon in iowa, ich hab nebraska verschlafen…d‘uh!
(47.stunde)
9:17uhr: frühstücken. aber die müsli-milch ist ranzig. bestimmt wegen des gewitters. gallert lacht darüber
(49.stunde)
11:22uhr: maisfelder und industrie. in der ferne güterzüge. wir sind früh dran, werden mal ausnahmsweise keine rspätung haben. ganz unüblich für amtrack. amtrack hat keine eigenen gleise für den personenverkehr. sie dürfen die industriegleise mitnutzen, müssen dafür güterzüge immer vorlassen. hinzukommt, dass die gleise sehr alt sind, der staat investiert nichts. nur noch 2 1/2 stunden
11:34uhr: galesbury, wieder wartet die polizei auf fahrgäste beim ausstieg. unklar
11:37uhr: immer wieder kommen mir zuggäste bekannt vor, ich weiß jetzt woher: aus den alten comedy shows, die ich früher mal geschaut habe. von „eine schrecklich nette familie“ über „hör mal wer da hämmert“ und diese andere mit der lauten mutter…wie hieß die noch gleich
(50.stunde)
12:59: die letzte stunde der fahrt bricht an. draußen immer noch maisfelder. windräder.flachland. zeit die essensreste zu vernichten, damit die taschen leichter werden. nicht mehr lang und wir sitzen wieder im zug. vorher 2 nächte im 10er schlafsaal mit geschlechtertrennung. die 3.fehlt uns noch, ohje
13:34uhr: gallert:“ich glaube, dass dieser zug verrückte anzieht“…
(51.stunde)
14:15uhr: skyline von chicago in sicht. graffiti. alle zurück an ihre plätze. gleich sind wir da. teure lofts zu seiten der gleise. mehrstöckige wohnhäuser – long time no see!
14:20uhr: ankunft in chicago! von den uncharmanten gleisen, die unter der erde enden geht es in den rotten teil der eigentlich ansehnlichen unionstation. beim gepäckabholen am laufband fehlt gallerts rucksack. noch bevor wir fragen, werden wir angesprochen. aufgrund unseres nicht chicago-amerikanisch, bekommen wir erst eine bikebox statt eines backpacks ausgehändigt…ähm…nee? nach 15min warten haben sie alle gewölbe durchsucht. gallrrts rucksack ist weg, verschollen. vermutlich irgendwo anders ausgestiegen. und das nur mit registriernummer, ohne namensschild. shite
ich bin vorlaut und frage, ob es einen ausgleich gibt, weil er sich ja jetzt neue klamotten kaufen muss für den esten tag. nach 52stunden zug – wird ja wohl ne dusche nötig (dringend). wir müssen sehr sympathisch gewirkt haben, nicht nur wurden wir bei jedem schritt begleitet, wir haben außerdem den bhf mit 100 dollar verlassen. kein schlechter deal – wenn morgen der rucksack auftaucht!!! daumen drücken, da ist alles für das nächste halbe jahr drin. die hundert dollar wären gut, um den hostelpreis etwas schmerzfreier zu gestalten: knapp 40$ pro nacht pro nase, überall wird die steuer erst im nachgang hinzugefügt :-S

logbuch cont‘d

7. August 2013

(2. Tag, 5. August – Fortsetzung)

(25.stunde)
10:26uhr: 2postkarten gekauft um meinen zug-liebhabenden-opa zu beglücken und als austausch das w-lan-passwort bekommen.internet!!! so ist doch ein logbuch viel spannender.ich habs gerade so geschafft bis der zug ausfuhr – watn stress. gallert ist hoffentlich nicht sauer, dass ich ihn nicht geweckt habe.
(26.stunde)
11:24uhr: rausschmiss aus dem essensabteil.mit selbstverpflegung hier nicht. diskriminierung!
12:10uhr:kürzest pause in glenwood springs.rote berge, alter bahnhof, rotbrauner fluss in dem dutzende schlauchboote die stromschnellen durchschlingeln. das wasser ist komplett rotbraun, daneben der highway, am anderen ufer unser zug. idyllische badestelle – wirklich
(28.stunde)
13:02uhr: gewitterblitze in der ferne. stürmischer wind. die spannung steigt…regen.
(30.stunde)
14:38uhr: wir fahren durch eine felsschlucht mitnnadelbäumen, die sich gerade so an den abhang klammern, umgestürzten strommästen, gerölllawinen, einem reißend bach. ich glaube wir kommen in die rocky mountains. spektakulär!
(31.stunde)
15:28uhr: stop in granby bei 7900fuß (ca. 2633m)…rocky mountains nationalpark! mittag war lecker, all die hot dog und burger-essenden gucken neidisch auf unsere gekochten eier, paprika, brot und käse, sogar lachs. richtiges essen kostet mind. 20dollar im restaurant. gut, dass wir so viel und so leckeres mitgenommen haben.
(32.stunde)
16:19uhr: schichtschlafen. gallert legt sich jetzt hin, damit ich nachts schlafen kann. wirklich ein prinz
16:52uhr: bewölkt. die strecke führt durch eine stark bewaldete, bergige gegegend. nadelwald, dazwischen seen und jede menge tunnel. um mich rum werden alle immer verrückter, spielen halligalli und büchsendrehen und kreischen laut. very outgoing. dahinten ist ein riiiiiesiger damm.
(33.stunde)
17:21uhr: stärkster regen und heftige winde. die armen kühe, die grassbewachsenen hügel bekommen schottischen charme. langsame fahrt voraus. vielleicht kühlt der regen die warme luft draußen. bin gespannt auf denver
17:50uhr: lieber geige als dieses laute gebrabbel. denver ist groß, im schritttempo fahren wir durch vororte, hochhäuser im zentrum, als grau wegen der wolken. ich will auch chips

Logbuch

6. August 2013

1. Tag, 5. August

9:00uhr: Letzter kaffee an land, Verabschiedung von gundels Eltern. Sitze bequem, Nachbarinnen mit hohem medikamenten-haushalt.
9:15uhr:pünktliche Abfahrt. Ärmliche, vermüllte Gegenden am streckenrand. Keine Menschenseele. Ist es das, was uns auch in Detroit erwarten wird?
9:37uhr: Umzug in die lounge, dachfenster.Ausblick auf die Bucht, Fahrt direkt am Wasser. Optimismus auch auf gundels Seite: „schon cool, dass wir mit dem zug fahren“.

10:02uhr: draußen bewegt sich etwas. Graue Formen. Es sind riesige armeeschiffe, so nah beieinander, dass weder Anzahl noch Größe bestimmt werden können.
10:09uhr: mit einem Schlag blauer Himmel. Zeit fürs Frühstück. Mitgebrachtes essen geklaut vom gestrigen hochzeitsbrunch.
(1.stunde)
10:23uhr: woran ist ein california erkennbar? Er steht vor den 3 exakt gleich aussehenden mülleimern und versucht seinen Abfall zu trennen.
10:25uhr:der Wasserdruck ist so hoch wie beim kärchern
(2.stunde)
11:15uhr: ein selbsternannter freiwilliger scheint das mikro erobert zu haben. er erzählt der lounge in schönstem, rollenden amerikanisch ‚historische‘ fakten über die gegend. noch schöner:irgendwer hat sei okkulele ausgepackt. oder soll das die entspannende hintergrundmusik sein? aiaiai
11:37uhr: stop in roseville.ersten zugfanatiker entdeckt.mit notizbuch und funkscanner läuft er aufgeregt am zug auf und ab. kann er die seriennummer nicht finden?
11:46uhr: ein hase. wir nennen ihn krümel2.
11:47uhr:die okkulele ist weg. hallo mundharmonika. (rotblondes, langes haar; farblich pssender, noch längerer bart; weinflasche und hochroter kopf)
11:54uhr:tunnel.
11:55uhr:noch einer.
12:06uhr: auburn. laut dem freiwilligen geschichtenerzähler wurde die bahnstrecke hier 1865 gebaut. 20 jahre zuvor gabs gold-funde und entsprechend stieg die zahl der bewohner_innen californias. (altitude 1200 feet – 400m)
(3.stunde)
12:15uhr: okkulele und mundharmonika vereint und sie bekommen applaus. so wird das nix mit ruhe. ich hol gleich mein saxophon und gundel die posaune.
12:20uhr: mein russischer opa sagt immer: „bei schönem wetter reisen engel“. es gt vprbei an klein türkisen seen und hügeligem nadelwald auf roter erde bei strahlendem sonnenwetter! (altitude: 2400 feet – 800m)
12:31uhr: atonaler gesang setzt ein. der versuch die hohe okkulele stimmlich zu begleiten scheitert kläglich.
12:35uhr:die fahrt geht über zahnstocherdicke brückchen, vorbei an schluchten, die mir zu tief sind. der fluss 1500 fuß (500m) weiter unten ist wirklich beeindruckend schön zwischen all dem grün. aber müssen alle auf diese seite des zuges rennen für ein photo? was wenn der zug umkippt. 1500 fuhuuuß!!
13:01uhr: ein älterer mann setzt sich auf den platz neben mir und rutscht ganz nah an mich ran und sagt dann mit leiser stimme:“well, you‘re a fine and very pretty girl, aren‘t you“…zum glück steht gallert neben mir und rettet mich wie ein prinz im wind. alle anderen im wagon machen hingegen positivere kennenlernerfahrungen. jede spricht mit jedem. this is small talk lounge…
(4.stunde)
13:17uhr: es gibt hübsche ‚junior conductor‘ bücher mit ausmalbildern, rätseln, geheimen handschlägen und beschriftetennerklärungen der maschinerie.
13:40uhr: ein stausee zählt neben vielen hügeln und dem uns immer wieder begegnendem american river in der tiefe zu den lohnenden ausblicken. uffrejschend!
13:48uhr: wir passieren ’snow sheds‘ tunnelähnliche gebilde mit fenstern, die vor schnee-lavinen schützen, die in diesen höhenmetern schon leben gefordet haben. der katastrophen nicht genug, waldbrände scheinen auch nicht selten zu sein: verkohlte bäume links und rechts
(5.stunde)
14:15uhr: ski-lifte im sommer haben etwas absurdes. wir durchfahren eine wintersportgegend in der so viel schnee liegen kann, dass die häuser mit tunneln verbunden sind. hier liegt auch der höchste punkt der strecke auf knapp 7000 fuß (ca.2300m)
14:19uhr: laut gallert pathologisiere ich – aber das kind neben uns zeigt wirklich symptome des adhs
14:25uhr: ich will chips – die aussicht und moderation mit den vielen kleinen geschichten ist besser wie kinoooo
14:35uhr: der freiwillige (plakette mit 2000 stunden an der brust) kommt regelmäßig nach oben in die panorama lounge um zu überprüfen, ob auch alle zuhören und das richtige photographieren
14:53uhr: im schrittempo tuckern wird durchs land. trotz der schneckenmannier sind wir pünktlich wie es nur geht. bald sind wir in Reno (nevada)
(6.stunde)
15:20uhr: nur noch 46 stunden. yeah
17:06uhr: zurück auf unseren plätzen.die müdigkeit hat uns besiegt, nach diesem kurzschlaf sieht die landschaft wie ausgewechselt aus. wüstenartiger, heller sand, gesprengelt mit dörrigen büschen. die ebene die wir durchfahren ist gesäumt von spitzzulaufenden,windgeformten hügeln. die abendsonne wirft ihr licht und lässt die schatten allmählich länger werden.
(8.stunde)
17:52uhr: lounge. lesen,lesen,lesen.ich „the trumpet“ von jacky kay. gallert „ästhetik des widerstands“ von peter weiss. nur wurde er vor einer stunde von einem smalltalk herren gekidnapped und unterhält sich höflich, während ich mir mühe gebe unfreundlich zu lesen, nicht nochmal so ein creepy guy wie vorhin. neben uns der highway voller lkw, ab und zu eine fabrik. eben ein gefängnis mitten im nichts – furchtbar
(9.stunde)
18:34uhr: abendbrot im camping picknick style. neben lobenden aussprüchen belächelnde blicke.wir sind schon sehr deutsch. aber auch sehr lecker
19:00uhr: eine violine…eine wahrhafte. gespielt von einer grundschullehrerin. dieses amerika…und alles in der lounge. show me what you‘ve got
(10.stunde)
19:22uhr:gleich geht die sonne unter, sie lässt die landschaft wie ein aufgewühltes laken nach einer unruhigen nacht aussehen. wir fahren der zeit entgegen. wann müsen wir die uhren umstellen? plötzlich grün inmitten des sandigen gelbs. rasensprenger in aktion…sonst eintönig, dieses nevada
19:44hr: irgendwer pupst hier die ganze zeit. das stinkt
(11.stunde)
20:22uhr: die klos sind echt klein, mini. und es ist kalt in der lounge…aber das spannende buch lenkt ab. draußen bewegen sich kleine lichter, wir sind schnell. schneller als die lichter, schneller als die autos.
(12.stunde)
21:23uhr: pause in elko, nevada. wir sind zu früh. beine vertreten. warme luft genßen. ist hier mehr als die station?
21:43uhr: schlafenszeit. gallert zieht um, ich quäl mich auf beiden sitzen. sie gehen kaum noch hinten zu stellen. frustrierend.

Logbuch, 2. Tag, 6. August - zeitverschiebung, eine stunde schneller

(21.stunde)
6:50uhr: sonnenaufgang? wüste, hohes bergplateau in der ferne. noch mal umdrehen…wo gallert wohl ist?
(23.stunde)
8:28uhr: ansagen zum frühstück. ist wohl mal zeit gallert zu suchen. gleiche wüstig-felsige landschaft wie zuvor. ein paar grasbüschel. nichts bewegt sich, außer der wind – wir sind in utah
8:35uhr: gallert in der lounge gefunden. zerknautschter als ich. draußen eine häuseraammlung. zerfallen. viele autoleichen. eine geisterstadt aus zeiten der uran-gewinnung
9:08uhr: rötliche felswände zu beiden seiten, ein canyon. erinnert ans zentrum australiens und den uluru. gleich colorado. hunger
(24.stunde)
9:27uhr: colorado bringt einen landschaftswechsel. viehzucht und andere landwirtschaft, flach. die dramatischen bergschluchten sind weit in den hintergrund gerückt. in 5 stunden kommen wir zu den rocky mountains!

San Francisco Sancisco Frisco

31. Juli 2013

vor nun schon einer woche erblickten wir das diesige licht der halbe-millionen-stadt und fuhren erstmal komplett hindurch mit der komfortablen, be-teppichten u-bahn (BART) nach berkeley. dort bezogen wir ein für unsere verhältnisse recht luxuriöses quartier, das neugekaufte haus von gilliberts cousine 2. grades. die wohnen noch bis nach der hochzeit (diesen sonntag) in ihrer wohnung und wir haben alle drei bäder für uns. beschauliche häuschen, die wie großgebaute kuckucksuhren aussehen, gepflegte gärten, die teilweise den gehweg überwachsen und dazwischen queere hippies: das ist berkeley. berkeley hat einen riesigen unicampus, den wir vom wahrzeichen-turm „campanile“ überblickten. nach judith butler haben wir leider vergeblich ausschau gehalten. vergeblich ist auch die suche nach günstigen supermärkten, hier ist alles organic-bio und entsprechend verpreist.

san fran

in san francisco wechselt die schickimicki einkaufspassage ohne wimpernzucken zur dealer-szene und wir verwirrt mittendrin. verirren geht praktisch nicht, dank der hilfreichen straßennamen (1st, 2nd, 3rd). gestern haben wir den heimatlosen tipp befolgt und bestiegen das hügelige chinatown (furchtbar touristisch und leider nicht so meins) und den ehemals als kommunistisch verschrienen coit-tower. dort, sowie auf einer „block-Party“ im mission district, sind jede menge murals zu sehen. mir ist das zu bunt, aber spannend nichtsdestotrotz.


block party 24th street / mission

mission ist ein bezirk in san francisco, der vielleicht mit neukölln vergleichbar ist. viele hispanische menschen und an jeder zweiten bis dritten ecke blüht unauffällig grell ein laden und ausgangspunkt der gentrifikation. von dort aus verbreiten sich die teuren oasen in denen coole postkarten und gender-theorie-bücher auch wir kaufen.
nebenbei versuchen wir mit den überwältigenden hochzeitsvorbereitungen zu helfen. niemals einen sitzplan erstellen, in dem 140 leute, teils verwandt, verstritten, frisch verliebt oder sozial inkompetent untergebracht werden müssen. trotzdem alles entsprechend lange dauert, gefällt es mir gilliberts familie
kennenzulernen und zu erleben. besonders spannend sind die kommunikationsabläufe, das heiratende paar ist gehörgeschädigt bzw. gehörlos. in der zeremonie wird also sowohl das, als auch die jüdischen und deutschen wurzeln einfließen mit dem berkeleyschen queeren publikum.
heute sind gilliberts eltern eingetroffen und mitsamt des mietautos erkunden wir per golden gate bridge marin county. uns sind die füße schwer von all den betonschluchten, die wir shoppend durchliefen.

teaser

15. Juli 2013

wie zu erwarten habe ich alle klausuren überstanden. meine freiheit noch nicht ganz begreifend, widme ich mich jetzt so wunderbaren zeitverplempereien wie der steuererklärung, arbeiten und angenehmeren urlaubvorbereitungen.

in einer guten woche gehts los. grindelwald und ich fliegen am 24.7. nach san francisco zu einer riesigen hochzeit um dann viele, viele stunden im zug zu verbringen und über chicago und detroit nach new york zu fahren.
dort wird grindelwald ab dem 19. august sein praktikum antreten und nur ich muss zurück ins dann sicherlich noch grauere deutschland.

nichtsdestotrotz, die vorfreude ist groß! das wird ein ganz besonderer urlaub. mein erstes mal in den USA und falls ihr tolle Tipps habt oder jemanden kennt, der uns die ein oder andere Nacht eine schlafstätte bieten kann, kommentiert!

berichte folgen ab dem 24.7.