detroit – die stadt ist tot, es lebe die stadt

30. August 2013

unseren mut zu testen hat sich detroit scheinbar oder anscheinend vorgenommen. nach südafrika wohl eine gegend, über die das gerede um gewalt und kriminalität vergleichbar präsent ist. ausgerechnet hier muss amtrak beweisen, wie sehr verspätung zum image dieser zuggesellschaft gehört. um im dunkeln und ohne richtige busverbindung zum hostel zu kommen, liefen wir also schwer bepackt, quasi mit aushängeschild „please rob us“, bestimmt 2 meilen durch gefühltes niemandsland. ich habe gesungen, um die räuber fern zu halten. wenns bei bären klappt?
es hat diesmal funktioniert, nur wäre germanus mir auch fast von dannen gelaufen.
das hostel detroit ist sehr empfehlenswert, weil gemütlich, familiär und (zu) gesprächig. außerdem sind alle alternativen angeblich verwanzt und wo sonst gibt es so gemütliche 2-bed-dorms/doubles für die usa günstig?
der hostelwarden gab uns eine einführung in detroitsche überlebensregeln: nicht auf dem kaputten, grasüberwachsenen gehwegen laufen, sondern auf der straße, dann siehste potentielle angreifer, die ausm gebüsch gesprungen kommen, früher. und: davorne an der schule NICHT links gehen. macht alles was ihr wollt. nur dort nich links gehen. überall wo das gras nicht gemäht wird, hat die stadt die kontrolle verloren. oder das grundstück gehört der stadt. naja – egal.

ohne gepäck und auf der suche nach essen, stellten wir fest, dass besagtes niemandsland eines der belebteren fleckchen detroits ist: corktown, mit bars und restaurants und fast schon nachtleben.
der nächste tag wurde ähnlich beton-lastig und mein fuß machte derart querelen, dass wir ausnahmsweise wegen mir pausieren mussten.

zu unserem glück war das museum of contemporary art detroit (mocad) leider geschlossen , dafür das museum mit den ganzen picassos und monets und riveras kostenlos. lange haben wir das nicht ausgehalten und sind auf phototour durch die straßen gewandert, menschenleer bis auf vor wohnunterkünften o.ä., wo offen drogen verkauft wurden.

wir aßen miniburgers oder slides in den „green dot stables“ genauso empfehlenswert wie „Slows Bar-BQ“, aber sehr fleischig-fettig und nicht gut für die haut. diese bar-restaurants boomten und auch andere stadtteile sind geprägt von den zuziehenden studis, die ihre chance der selbstverwirklichung und des mitgestaltens einer neuen phase der stadt nutzen. die mieten sind hier halb so teuer und besonders kunstprojekte und neuartige musik finden starken anklang. detroits lokalpatriotismus scheint ungebrochen, wenn nicht gar gestärkt und in „resident-advisor-videos“ wird von dieser einzigartigen vorreiterposition detroits geschwärmt. detroit lohnt sich!
unser nächster tag war so verregnet, dass wir uns hauptsächlich in einem riesigen, 4-stöckigen bücher-antiquariat (John K. King Used & Rare Books), in einer hot-dog bar und in einem platten-laden rumdrückten.

wir haben aber auch Kanada gewunken und nette busfahrer kennengelernt. diese haben öfter mal kein papier mehr für die ticket-maschine so dass ne kostenlose fahrt für alle bei rumkommt, oder mal eben ein kreuzender bus angehalten wird, um den komisches touris das transfer-ticket zu drucken. andererseits fällt der ein oder andere bus auch mal aus, was zu schweißtriefenden, gepäckbeladenen, stressgepeitschten märschen durch die dunkelheit führt. so wies anfängt – hörts auch auf. mit verspätungen.

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