hochzeit mit ochsen und emu

10. August 2013

ein jahr. ein ganzes, gesamtes, vollständiges, komplettes jahr hat die vorbereitung dieser hochzeit in anspruch genommen. wir haben die letzten 10 tage mitbekommen und der soziale stress hat sogar mir ein paar stunden schlaf geraubt. so viele dramen! gzsz war nix dagegen. dank seiner layout-künste, konnte gary etwas unterstützen, was uns endlos gedankt wurde. kreisförmige gespräche.

die diablo ranch (ort der trauung) liegt hinter walnut creek/ pleasant hill ca. 25 meilen ins landesinnere nordöstlich von berkeley. schon allein der shuttle ließ die dekadenten ausmaße erahnen der festivitäten die da kommen. ein limousinen bus. wir fuhren mit dem auto in den nationalpark, der wirklich schöne blicke versprach über hügel mit karger natur, gelb verdorrtem gras und alten, knöcherigen bäumen.

eine vollfunktionstüchtige ranch mit werkstatt und komplett mit cowboys und -girls, die im sommer und spätherbst jedes wochenende hochzeitsgesellschaften bewirten. es empfingen uns 20 weißbezogene tische mit 4 verschieden gläsern, tellern und besteck pro person, für deren adäquate benutzung wohl ein studium notwendig ist. dekadenz hin oder her, es sah als so schön aus, das der hinweg und der aufwand, den dieser mit sich brachte, plötzlich gerechtfertigt schien. ein wirklich fabelhafter ort für so ein wichtiges ereignis.
die zeremonie fand unter einem riesigen, schatten spendenden baum statt und rührte viele zu tränen, inklusive braut. für die übersetzung der gebärdeten ‚vows‘ (gelübde) gab es drei dolmetscher_innen und die trauungs-beauftragte sprach mit hand und stimme. anstatt zu klatschen wedelten wir unsere winkelemente über unseren köpfen (dünne stäbe mit 2 bunten bändern). es wurde unendlich photographiert und gefilmt und die vier kleinen blumen- und ringkinder (2-&4-jährig) waren wirklich zum quietschen niedlich.


die trauung

nach den professionellen hochzeitsphotos wurde das paar auf einen mit weißem tüll ausgekleideten traktor-anhänger geparkt und die 20meter zum dinner gefahren. kiiiitsch!
dem ausgefeilten sitzplan entsprechend saßen wir mit 4 gebärdenden jungen lehrer_innen am tisch. wir kamen also stellenweise in den genuss einer übersetzerin und oft haben wir uns über lippenlesen verständlich machen können, während bestimmt die hälfte der gehörlosen gäste dort verbal sprechen konnte. nach etwas gewöhnung, die wir auch durch die gespräche mit gary’s cousine hatten, verstanden wir das meiste. ich hab mir oft gewünscht, dass ich die ressourcen meines uni-instituts genutzt und im vorfeld einen gebärdensprach-kurs gemacht hätte. es kommt auf die liste mit den vielen vorhaben. wir hätten uns dann dennoch nur schwer verständigen können, weil die gebärdensprachen der verschiedenen länder sich ähnlich stark unterscheiden wie die gesprochenen sprachen. nur französisch und amerikanisch sind sehr ähnlich, weil eine französin die erste gebärdensprachschule in den US of A eröffnet hat.
während der vorspeisen kamen die ‚toasts‘ oder glückwunsch-reden, wieder sowohl gesprochen wie auch gebärdet und dreifach übersetzt mit beifall per serviette in der luft. ich bin jetzt auch überzeugt, dass die beiden frischgetrauten ganz wunderbare, besondere menschen sind, die zusammengehören, perfekt füreinander geschaffen wurden und durch sie die welt ein besserer ort ist. aber nach 10jahren beziehung wars ja wirklich auch mal zeit…hmm. ich glaub heiraten lohnt allein wegen des ego-boosts.
zum dessert gabs den ersten tanz, für den das paar extra tanzstunden nahm. salsa ist sicher so schon schwer genug, wie schwer muss es sein, wenn die musik unhörbar ist?der bass war ziemlich schwach, aber die beiden waren dennoch glanzvoll. nichtsdestotrotz wirkte es auf mich gezwungen konventionell, gezwungen „normal“… aber es ist gefährliches terrain zum urteilen. soweit ich das verstanden habe, begreifen sich große teile der gehörlosen gemeinschaft als eigenständige kultur.


auch wir haben uns aufgehübscht

einen vollgestopften bauch, viele smalltalks und endlose photos später, verabschiedeten wir uns vom stark strapazierten paar und all den buntgemischten leuten von der botox-lady bis zur rebellischen 17-jährigen mit den punkigen haarfarben.
ein paar sahen wir beim brunch am nächsten tag im größten, luxuriösesten, komplett weißen und von überall sichtbaren claremont hotel wieder. dort haben wir ganz viel essen geklaut für unsere 52-stündige fahrt nach chicago am darauffolgenden tag.

3 Kommentare

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  1. alles sehr interessant, bin aber trotzdem froh, dass ich nicht dabei sein musste.
    Lesetipp: T.C.Boyle „Talk, talk, talk“
    p.s. die rechenaufgaben werden immer schwieriger!


  2. ist denn garys rucksack wieder da?


  3. Ja, der rucksack hats geschafft! Gleich am tag nach unserer ankunft. Puh! Meinst du die rechenaufgaben zum einloggen?
    Hier regnets heute :( doof – wo wir doch nur so wenig zeit haben im spannenden detroit…


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