logbuch letzter teil

8. August 2013

(2. Tag, 6. August)

(34.stunde)
18:34uhr: denver. denver hat zwar keine chips für mich, dafür aber w-lan, ein seltenes gut bei 52stunden zugfahrt. auf der bahnfahrt fallen uns einige besondere menschen auf. immer rastloser werden sie. dieser zug zieht sie alle an. mit selbstverständlichkeit wird in der lounge musiziert, das zgt doch von offenheit. oder mythos amtrack? in denver wurde einer dieser etwas auffälligeren typen rausgezogen. kontrolliert. alle taschen ausgepackt. würdelos auf dem gleis vor aller leute augen. im zug wird aufgeregt von einer sitznachbarin zur anderen getragen, dass der mann angeblich ein GPS-gerät geklaut hätte. nichts wird gefunden.
(35.stunde)
19:54uhr: wir haben einen soziologiestudenten aus berkeley kennengelernt. er scheint sehr gut informiert über berlin. wir haben über die ähnlichkeit der anti-gentrifizierungsbewegungen in verschiedensten städten auf der welt gesprochen.
20:06uhr: weiteren sitznachbar ins gespräch einbezogen (es ist so normal jeden auf alles anzusprechen). binnen weniger sätze kommen wir auf das thema mariyuana. es ist inzwischen in colorado und washington komplett legalisiert. wir haben in berkeley öfter mal was komisches gerochen, auch dort ist es so gut wie legal. gegen eine verschreibung vom arzt, wegen z.b. rückschmerzen, ist es ohne strafe zu besitzen, konsumieren, alles. verrückte welt!
20:14uhr: sonne weg. abendbrot? abendbrot!
(37.stunde)
21:42uhr: stockduster.ab und zu erhellt ein blitz das dunkel. wir fahren durch ein gewitter. das brot wird knapp, werden wir den morgigen tag überstehen? es regnet wie hölle, die blitzfrequenz steigt auf alle paar sekunden. die klimaanlage pupst.es stinkt. aber das lichtschauspiel ist beeindruckender…hört garnicht mehr auf. es sind inzwischen sehr viele junge leute an bord, in unserem alter. tagsüber lassen sich die familien und rentnerpaare mehr blicken. die jungen männer brüllen lauter. alle sollens hören, dass sie 230 meilen gewandert sind. ich werde dieses logbuch vermissen. sonst darf ich nie so viel meckern. noch 16stunden glückseligkeit

3. Tag, 7. August (weitere zeitverschiebung um eine stunde)

(43.stunde)
5:45uhr: bumm.plötzlich fällt eine frau auf mich rauf, verklemmt sich zwischen den sitzen und ich bin erstmal wach. wir sind schon in iowa, ich hab nebraska verschlafen…d‘uh!
(47.stunde)
9:17uhr: frühstücken. aber die müsli-milch ist ranzig. bestimmt wegen des gewitters. gallert lacht darüber
(49.stunde)
11:22uhr: maisfelder und industrie. in der ferne güterzüge. wir sind früh dran, werden mal ausnahmsweise keine rspätung haben. ganz unüblich für amtrack. amtrack hat keine eigenen gleise für den personenverkehr. sie dürfen die industriegleise mitnutzen, müssen dafür güterzüge immer vorlassen. hinzukommt, dass die gleise sehr alt sind, der staat investiert nichts. nur noch 2 1/2 stunden
11:34uhr: galesbury, wieder wartet die polizei auf fahrgäste beim ausstieg. unklar
11:37uhr: immer wieder kommen mir zuggäste bekannt vor, ich weiß jetzt woher: aus den alten comedy shows, die ich früher mal geschaut habe. von „eine schrecklich nette familie“ über „hör mal wer da hämmert“ und diese andere mit der lauten mutter…wie hieß die noch gleich
(50.stunde)
12:59: die letzte stunde der fahrt bricht an. draußen immer noch maisfelder. windräder.flachland. zeit die essensreste zu vernichten, damit die taschen leichter werden. nicht mehr lang und wir sitzen wieder im zug. vorher 2 nächte im 10er schlafsaal mit geschlechtertrennung. die 3.fehlt uns noch, ohje
13:34uhr: gallert:“ich glaube, dass dieser zug verrückte anzieht“…
(51.stunde)
14:15uhr: skyline von chicago in sicht. graffiti. alle zurück an ihre plätze. gleich sind wir da. teure lofts zu seiten der gleise. mehrstöckige wohnhäuser – long time no see!
14:20uhr: ankunft in chicago! von den uncharmanten gleisen, die unter der erde enden geht es in den rotten teil der eigentlich ansehnlichen unionstation. beim gepäckabholen am laufband fehlt gallerts rucksack. noch bevor wir fragen, werden wir angesprochen. aufgrund unseres nicht chicago-amerikanisch, bekommen wir erst eine bikebox statt eines backpacks ausgehändigt…ähm…nee? nach 15min warten haben sie alle gewölbe durchsucht. gallrrts rucksack ist weg, verschollen. vermutlich irgendwo anders ausgestiegen. und das nur mit registriernummer, ohne namensschild. shite
ich bin vorlaut und frage, ob es einen ausgleich gibt, weil er sich ja jetzt neue klamotten kaufen muss für den esten tag. nach 52stunden zug – wird ja wohl ne dusche nötig (dringend). wir müssen sehr sympathisch gewirkt haben, nicht nur wurden wir bei jedem schritt begleitet, wir haben außerdem den bhf mit 100 dollar verlassen. kein schlechter deal – wenn morgen der rucksack auftaucht!!! daumen drücken, da ist alles für das nächste halbe jahr drin. die hundert dollar wären gut, um den hostelpreis etwas schmerzfreier zu gestalten: knapp 40$ pro nacht pro nase, überall wird die steuer erst im nachgang hinzugefügt :-S

1 Kommentar

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  1. gallert:“ich glaube, dass dieser zug verrückte anzieht“…
    genau! :-)
    Hoffentlich findet sich der ruckack wieder an.


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