Logbuch

6. August 2013

1. Tag, 5. August

9:00uhr: Letzter kaffee an land, Verabschiedung von gundels Eltern. Sitze bequem, Nachbarinnen mit hohem medikamenten-haushalt.
9:15uhr:pünktliche Abfahrt. Ärmliche, vermüllte Gegenden am streckenrand. Keine Menschenseele. Ist es das, was uns auch in Detroit erwarten wird?
9:37uhr: Umzug in die lounge, dachfenster.Ausblick auf die Bucht, Fahrt direkt am Wasser. Optimismus auch auf gundels Seite: „schon cool, dass wir mit dem zug fahren“.

10:02uhr: draußen bewegt sich etwas. Graue Formen. Es sind riesige armeeschiffe, so nah beieinander, dass weder Anzahl noch Größe bestimmt werden können.
10:09uhr: mit einem Schlag blauer Himmel. Zeit fürs Frühstück. Mitgebrachtes essen geklaut vom gestrigen hochzeitsbrunch.
(1.stunde)
10:23uhr: woran ist ein california erkennbar? Er steht vor den 3 exakt gleich aussehenden mülleimern und versucht seinen Abfall zu trennen.
10:25uhr:der Wasserdruck ist so hoch wie beim kärchern
(2.stunde)
11:15uhr: ein selbsternannter freiwilliger scheint das mikro erobert zu haben. er erzählt der lounge in schönstem, rollenden amerikanisch ‚historische‘ fakten über die gegend. noch schöner:irgendwer hat sei okkulele ausgepackt. oder soll das die entspannende hintergrundmusik sein? aiaiai
11:37uhr: stop in roseville.ersten zugfanatiker entdeckt.mit notizbuch und funkscanner läuft er aufgeregt am zug auf und ab. kann er die seriennummer nicht finden?
11:46uhr: ein hase. wir nennen ihn krümel2.
11:47uhr:die okkulele ist weg. hallo mundharmonika. (rotblondes, langes haar; farblich pssender, noch längerer bart; weinflasche und hochroter kopf)
11:54uhr:tunnel.
11:55uhr:noch einer.
12:06uhr: auburn. laut dem freiwilligen geschichtenerzähler wurde die bahnstrecke hier 1865 gebaut. 20 jahre zuvor gabs gold-funde und entsprechend stieg die zahl der bewohner_innen californias. (altitude 1200 feet – 400m)
(3.stunde)
12:15uhr: okkulele und mundharmonika vereint und sie bekommen applaus. so wird das nix mit ruhe. ich hol gleich mein saxophon und gundel die posaune.
12:20uhr: mein russischer opa sagt immer: „bei schönem wetter reisen engel“. es gt vprbei an klein türkisen seen und hügeligem nadelwald auf roter erde bei strahlendem sonnenwetter! (altitude: 2400 feet – 800m)
12:31uhr: atonaler gesang setzt ein. der versuch die hohe okkulele stimmlich zu begleiten scheitert kläglich.
12:35uhr:die fahrt geht über zahnstocherdicke brückchen, vorbei an schluchten, die mir zu tief sind. der fluss 1500 fuß (500m) weiter unten ist wirklich beeindruckend schön zwischen all dem grün. aber müssen alle auf diese seite des zuges rennen für ein photo? was wenn der zug umkippt. 1500 fuhuuuß!!
13:01uhr: ein älterer mann setzt sich auf den platz neben mir und rutscht ganz nah an mich ran und sagt dann mit leiser stimme:“well, you‘re a fine and very pretty girl, aren‘t you“…zum glück steht gallert neben mir und rettet mich wie ein prinz im wind. alle anderen im wagon machen hingegen positivere kennenlernerfahrungen. jede spricht mit jedem. this is small talk lounge…
(4.stunde)
13:17uhr: es gibt hübsche ‚junior conductor‘ bücher mit ausmalbildern, rätseln, geheimen handschlägen und beschriftetennerklärungen der maschinerie.
13:40uhr: ein stausee zählt neben vielen hügeln und dem uns immer wieder begegnendem american river in der tiefe zu den lohnenden ausblicken. uffrejschend!
13:48uhr: wir passieren ’snow sheds‘ tunnelähnliche gebilde mit fenstern, die vor schnee-lavinen schützen, die in diesen höhenmetern schon leben gefordet haben. der katastrophen nicht genug, waldbrände scheinen auch nicht selten zu sein: verkohlte bäume links und rechts
(5.stunde)
14:15uhr: ski-lifte im sommer haben etwas absurdes. wir durchfahren eine wintersportgegend in der so viel schnee liegen kann, dass die häuser mit tunneln verbunden sind. hier liegt auch der höchste punkt der strecke auf knapp 7000 fuß (ca.2300m)
14:19uhr: laut gallert pathologisiere ich – aber das kind neben uns zeigt wirklich symptome des adhs
14:25uhr: ich will chips – die aussicht und moderation mit den vielen kleinen geschichten ist besser wie kinoooo
14:35uhr: der freiwillige (plakette mit 2000 stunden an der brust) kommt regelmäßig nach oben in die panorama lounge um zu überprüfen, ob auch alle zuhören und das richtige photographieren
14:53uhr: im schrittempo tuckern wird durchs land. trotz der schneckenmannier sind wir pünktlich wie es nur geht. bald sind wir in Reno (nevada)
(6.stunde)
15:20uhr: nur noch 46 stunden. yeah
17:06uhr: zurück auf unseren plätzen.die müdigkeit hat uns besiegt, nach diesem kurzschlaf sieht die landschaft wie ausgewechselt aus. wüstenartiger, heller sand, gesprengelt mit dörrigen büschen. die ebene die wir durchfahren ist gesäumt von spitzzulaufenden,windgeformten hügeln. die abendsonne wirft ihr licht und lässt die schatten allmählich länger werden.
(8.stunde)
17:52uhr: lounge. lesen,lesen,lesen.ich „the trumpet“ von jacky kay. gallert „ästhetik des widerstands“ von peter weiss. nur wurde er vor einer stunde von einem smalltalk herren gekidnapped und unterhält sich höflich, während ich mir mühe gebe unfreundlich zu lesen, nicht nochmal so ein creepy guy wie vorhin. neben uns der highway voller lkw, ab und zu eine fabrik. eben ein gefängnis mitten im nichts – furchtbar
(9.stunde)
18:34uhr: abendbrot im camping picknick style. neben lobenden aussprüchen belächelnde blicke.wir sind schon sehr deutsch. aber auch sehr lecker
19:00uhr: eine violine…eine wahrhafte. gespielt von einer grundschullehrerin. dieses amerika…und alles in der lounge. show me what you‘ve got
(10.stunde)
19:22uhr:gleich geht die sonne unter, sie lässt die landschaft wie ein aufgewühltes laken nach einer unruhigen nacht aussehen. wir fahren der zeit entgegen. wann müsen wir die uhren umstellen? plötzlich grün inmitten des sandigen gelbs. rasensprenger in aktion…sonst eintönig, dieses nevada
19:44hr: irgendwer pupst hier die ganze zeit. das stinkt
(11.stunde)
20:22uhr: die klos sind echt klein, mini. und es ist kalt in der lounge…aber das spannende buch lenkt ab. draußen bewegen sich kleine lichter, wir sind schnell. schneller als die lichter, schneller als die autos.
(12.stunde)
21:23uhr: pause in elko, nevada. wir sind zu früh. beine vertreten. warme luft genßen. ist hier mehr als die station?
21:43uhr: schlafenszeit. gallert zieht um, ich quäl mich auf beiden sitzen. sie gehen kaum noch hinten zu stellen. frustrierend.

Logbuch, 2. Tag, 6. August - zeitverschiebung, eine stunde schneller

(21.stunde)
6:50uhr: sonnenaufgang? wüste, hohes bergplateau in der ferne. noch mal umdrehen…wo gallert wohl ist?
(23.stunde)
8:28uhr: ansagen zum frühstück. ist wohl mal zeit gallert zu suchen. gleiche wüstig-felsige landschaft wie zuvor. ein paar grasbüschel. nichts bewegt sich, außer der wind – wir sind in utah
8:35uhr: gallert in der lounge gefunden. zerknautschter als ich. draußen eine häuseraammlung. zerfallen. viele autoleichen. eine geisterstadt aus zeiten der uran-gewinnung
9:08uhr: rötliche felswände zu beiden seiten, ein canyon. erinnert ans zentrum australiens und den uluru. gleich colorado. hunger
(24.stunde)
9:27uhr: colorado bringt einen landschaftswechsel. viehzucht und andere landwirtschaft, flach. die dramatischen bergschluchten sind weit in den hintergrund gerückt. in 5 stunden kommen wir zu den rocky mountains!

2 Kommentare

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  1. wow wifi! sind gerade in grand junction, colorado.
    in chicago folgen die berichte der vorherigen ausflüge und der hochzeit!es sei denn wir stehen hier noch ne weile


  2. durchhalten….


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