1. Mai in Israel – alles ist Kommunismus ist alles

2. Mai 2010

Als ich mir am 30.4. in Haifa und 1.5.2010 in Nazareth die 1. Mai Arbeiterkampftag Demonstrationen anschaute, die u.a. von der Kommunistischen Partei Israels organisiert wurden, stellte ich meine eigene Kommunismusdefinition stark in Frage. [dramatische musik]
Zuerst schlug mein Herz höher, lauter rote Fahnen und Menschen jeder coleur und jeden Alters.
Doch dann sah ich auch die uniformähnliche Kleidung mit dem weißen Hemd und dem roten Dreieckstuch und wurde skeptisch. Bei Skepsis blieb es nicht, als die durchschnittlich 1 Meter großen Trommler_innen an die Spitze der Demonstration marschierten. Hammer & Sichel überall und für alle drei Abschnitte (auch im kommunistischen) ein Wagen mit Vorrufer_innen denen im Chor kraftvoll geantwortet wurde.
Die Demonstration am 30.4. in Haifa wurde von einem recht breiten Bündnis organisiert von Kommis bis Zionist_innen. Vereinendes Motto war passender Weise: Zusammen am 1. Mai.
Sympathische Parolen von mehr Geld für die Nachbarschaften über die Ablehnung der Seperation (gemeint sind die unterschiedlichen „Kulturen“) bis hin zu der Forderung nach einem roten Haifa. Natürlich wurde auch die „Occupation“ thematisiert, aber verhältnismäßig geringfügig. Lustig war, dass es ein Nationalfahnenverbot gab. Nur ein einsamer Demonstrant lief am Ende des Aufzugs mit Israelfahne und einer meiner arabischen Freunde (auch in der Partei) war kurz davor Gewalt anzuwenden. Es weckt Erinnerungen.
Was beispielhaft ist und wovon sich andere Demonstrationen gerne etwas abgucken können, ist die Sprachenvielfalt in der die Parolen gerufen wurden – konsequent! Nichtsdestotrotz war fast alles durchweg authoritär strukturiert und ich fühlte mich entfernt an die Berliner LLL-Demo bzw. sogar Bilder aus der DDR erinnert.
Da ich mich aber vorher nur richtig mit den Standpunkten einzelner Mitglieder des Haifa-Zweigs der Kommunistischen Partei auseinandergesetzt hatte, bin ich trotz alle dem mit roter Fahne dabei gewesen (und hab Photos gemacht). Es war so auch *schön* mal wieder mit Freund_innen zu demonstrieren – was zu machen.


dieses Bild kurz vorab – es folgen mehr!

Der nächste Tag in Nazareth begann schon mit üblem Vorgeschmack nicht nur vom Vortag sondern auch der gemeinsamen (kostenlosen!) Hinfahrt. Die jungen Trommler_innen wurden während der gesamten Tour von ihrem fahnenstockschwingendem Taktangeber mit weiteren arabisch sprachigen Sprechchören motiviert. Die Route und Umgebung in Nazareth waren rotbeflagt wo sonst (in anderen Städten) die Israelfahen hängen – das will ich auch in D. Der Stadtrat duldet es, bzw. greift einfach nicht ein (was nicht unbedingt das selbe sein muss). Am 1. Mai selber also waren weitaus mehr als die 500-700 Demonstrant_innen auf der Straße. Mehrere Tausend lauten motivierte Zahlenschätzungen.
Das Publikum war größtenteils arabisch und die ganze Familie wurde mitgebracht. Kleine Kinder mit Märtyrerschal, noch mehr und diesmal auch ältere Trommler_innen, Palästinerfahnen (mit und ohne Hammer&Sichel) und sogar eine riesige Weltkugel mit einem Kraken drauf, dessen Kopf mit Atomkraftzeichen und Davidstern verziehrt war.
Ich hatte darüber und besonders auch über diesen authoritär und nostalgischen Part interessante Diskussionen mit meinen fast durchweg jüdischen Kommunist_innen. Kritik an dieser wichtigen Demonstration fiel ihnen schwer, aber am Ende hat wohl auch der Vorsitzende der Kommunistischen Partei die Demonstration als ekelhaft und sogar faschistisch bezeichnet. Da ist allen ein Stein vom Herzen gefallen.
So wie diese Kommunist_innen sich darstellten, kann ich verstehen, dass niemand Kommunismus will!

Es bleibt: Mein Kommunismus ist das nicht.


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