Yom HaShoaSikaronAtzmaut

16. April 2010

12 tage mit einer 15-köpfigen gruppe u.a. familiär verbunden überstanden und sogar eindrucksvolle erlebnisse gehabt. organisatorisch war es ein kleines wunder, dass es so gut gelaufen ist und die sich zwar oft ähnelnden, spontanen gespräche mit fremden (sherutfahrer, busfahrer, passant_innen, etc) haben tatsächlich spaß gemacht. ich bin sogar ein wenig stolz, aber das erst mit genügend abstand. kurze, noch fortzusetzende beschreibungen der tage können hier gefunden werden: heimatlos

nachts noch tschüss gesagt, bin ich nach 5 stunden schon wieder zur arbeit aufgestanden, die mich dann schnell wieder in meinen glücklichen alltag katapultierte.

da im judentum die tage schon am abend vorher beginnen, bin ich unvorbereitet zur gedenkzeremonie des Yom haShoa (Holocaustgedenktag) in meinem altenheim gegangen und fand mich plötzlich zwischen alten überlebenden deutschen Juden wieder, die am Ende der bewegenden Gedichte und reden die Hatikva, Nationalhymne israels, sangen. wenn ich dafür schon keine worte finden konnte, so war danach einfach unbeschreibbar, was die familiengeschichte einer meiner freundinnen dort in mir auslöste.
am yom haShoa (12.4.) direkt gab es um 10uhr 2 min. sirene und bis auf die bauarbeiter vorm elternheim stand alles in meinem blickkreis still. absurd, wie danach wiederum alles -als wäre nix gewesen- weitergeht. beeindruckend der gedanke, dass ein ganzes Land stillsteht.

diesen Sonntag geht es weiter mit dem hier noch wichtigeren yom haSikaron (Tag der der Erinnerung), an dem hauptsächlich allen gefallenen soldaten gedacht wird. familien kommen zusammen um gemeinsam zu trauern. Am 20.4., den Tag darauf ist Yom haAtzmaut, Tag der Unabhängigkeit Israels.
In vorbereitung auf diesen Tag wird jeder zentimeter mit blau-weiß behangen und auch unsere Nachbarn haben ihre Fahne schon gehisst. Meine Schule ist nicht mehr wiederzuerkennen, das Personal übt tanzmärsche mit fahnen. die idee ist auch andere nationen „vertreten“ zu haben und ich konnte gerade noch verhindern als deutschland erscheinen zu müssen. jetzt bin ich england, da mein argument, dies sei kein land, nicht zählte. mist.
alles kommt mir furchtbar merkwürdig vor, ich habe probleme mit diesem plumpen nationalismus, auch wenn natürlich außer frage steht, dass es bei diesem Land ganz anders beurteilt werden muss, als bei bis jetzt jedem anderen.
sichtweisen und vor allem perspektiven ändern sich, wenn mensch hier lebt natürlich ganz automatisch. besonders weil ich inzwischen oft nicht mehr nur die perspektive einer person mit deutscher nationalität im kopf habe (da ich hier nunmal lebe). wie schön es wäre diesen klotz der nationalität(egal welche) loszuwerden. Ich sollte vermutlich froh sein, wenigstens keine religiösen handschellen tragen zu müssen.

zur ruhe kommen werde ich also vorerst nicht. in zwei wochen kommen meine großeltern, mit denen ich das land bereise. Vorher gibts noch eine zwei-tages-wanderung mit zelt und österreicher, ne menge interessante gespräche mit den hiesigen kommunist_innen und schön viel extra arbeit, da meine kollegin jetzt schon weiß, dass sie krank sein wird. bei dieser furchtbaren cheffin kein wunder. naja und dann? dann kommt endlich jemand zurück nach hause mit dem der sommer bestritten wird.

bleibt nur eins: die frage nach der zukunft. was werden? wofür bewerben? vorschläge gern gesehen.