backflash, Chaled und Schnee

7. Februar 2010

ich fühle mich zwar manchmal schon ziemlich alt, aber immer noch nicht zu alt um ein Wochenende der Spontanität im Norden Israels mit trampen und einer Person die ich vorher noch nie getroffen habe zu verbringen. Ich war zugegebener Maßen schlecht vorbereitet auf jemanden der einen ähnlichen Stressfaktor aufbauen kann wie mein Vater, die Bahamas zu seinen drei regelmäßig gelesenen Zeitungen zählt und wie Helge Schneider redet. So viele Flashbacks auf einen Haufen, Kino im Kopf, alter!


In Israel Daumen raushalten = Prostitution

Shabbat zwingt* zu Abenteuern, sprich Dank der Verkehrslosigkeit Freitagnachmittag bis Samstagabend, lernten wir viele interessante Menschen kennen. Einer hat uns nur mitgenommen um uns zu belehren, der nächste wollte uns die Bibel näher bringen und gleichzeitig „Ich bin ein Berliner“-aussprechen lernen. Höhepunkt war aber Chaled, in dessen Auto wir uns quasi selber mitnahmen, da er aus unerfindlichen Gründen nicht fahren konnte. So nervös, wie er sich andauernd nach der Polizei umdrehte, haben wir sicher irgendwas in seiner Schrottkarre für ihn transportiert. Ich hatte meinen ersten Übersetzungsjob: „Jetzt der 1., den 5. lieber nicht, der 4. ist auch ok, nicht so schnell!“. Sehr anspruchsvoll. In Mas‘ade oben angekommen konnte Chaled plötzlich wieder allein fahren.


Blick auf Mt Hermon von Mas‘ade aus.

Interessant zu sehen waren die vielen Familien die sich auf die paar Flecken Schnee stürzten und Eisbrocken vorne auf ihren Autokühler legten um damit umher zu fahren. Massen waren unterwegs, bauten Schneeleute und waren zu begeistert. Erst als wir schon wieder fast am Meer waren, erklärte uns eine Fahrerin warum plötzlich alle zurück in die Städte düsen. Die Golanhöhen sind immer noch nicht minenfrei und eine von vielen unvorsichtigen Familien ist, in ihrer Schneebegeisterung, auf eine Mine getreten genau in der Gegend in der wir auch unterwegs waren. Es gibt Warnschilder und Zäune, aber…
Absurd war die Normalität mit der die Erzählerin darüber lachte, dass gewöhnlich nur Kühe in die Luft fliegen würden.
Der Krieg ist zwar nicht mehr hier, aber er wird doch immer da sein.
Hoffentlich bewahrheiten sich nicht die aktuellen Vermutungen bzgl. Iran. Meine Mitbewohnerin schwirrt schon rum wie ein Orakel und sagt nur noch: „Es wird Kriech geben, es wir Kriiiiiiieech geben!“
Ich drücke die Daumen dagegen, wie beneidenswert unsere eigene friedliche Illusion doch ist, wird hier immer wieder ins Bewusstsein gerufen.

PS: The Bird Is The Word!

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*Autos leihen geht erst ab 21 Jahren, unser Führerscheinmensch ist erst süße 20.

Buffy und Kröte

4. Januar 2010

Nicht eine sondern zwei niedliche, flauschige Kätzchen sind jetzt WG-Mitglieder! sie pupsen und lassen sich streicheln. klingt doch irgendwie sympathisch, oder?

muffin oder so

3. Januar 2010

morgen ist es so weit, nach vielen gesprächen rund um das thema und das tiefe bedürfnis meiner mitbewohnerin wird morgen aus der -trotz willkürlich zusammen gewürfelten erstaunlich harmonischen- 4er- eine 5er-wg. ein flauschiges kleines etwas aus dem tierheim wird es, eine katze. vermutlich sehr jung und noch formbar. absurd das ganze, wenn bedacht wird, dass überall um unser haus zahlreiche straßenkatzen leben, aber sicher macht es die wg noch harmonischer.

wenn das vieh mit mein bett macht, gibts keile.

in freudiger erwartung…

exactly

26. Dezember 2009

D: how is the weather in haifa now ?

I: havent been out since thursday

D: LOL

I: im sick :)

D: home sick!

weihnachten

25. Dezember 2009

dass ich über weihnachten krank werde, würde die meisten anderen an meiner stelle ziemlich ärgern. mir könnte es gleichgültiger nicht sein, da ich eh ein wochenende im bett mit buch geplant hatte. meine mitbewohner_innen sind alle nach jerusalem gefahren und heute nacht nach bethlehem gepilgert, mich hätte da niemand hingebracht in diese verrückte-verrückte stadt an diesem verrückten-verrückten tag. reicht vollkommen aus, wenn ich da wegen irgendwelcher seminare hin muss oder aber zuliebe netter besucher_innen.
mein jahr hier gestaltet sich hauptsächlich durch arbeit. ich habe sogar 2 tage in der woche an denen ich 10 stunden durch arbeite + je mind. 1 std. hin und zurück fahrzeit. in berlin hatte ich auch eine 40 stunden woche, dennoch ist es kaum vergleichbar. vielleicht weil die arbeit mit schwer geistig und körperlich behinderten jungen erwachsenen eine besonders körperlich sehr anstrengende arbeit ist. viel heben, viel tschiktschak-schnell-schnell.
die 1,5 tage, die ich im elternheim „arbeite“, sind vergleichsweise reiner urlaub zumal ich wegen dem anderthalbstündlich wechselnden gegenüber viel kaffee und kuchen serviert bekomme. für den kopf hingegen…
mir gefällt die arbeit, wäre es weniger, würde ich es vielleicht auch allgemein ganz toll finden. aber ein bisschen freizeit aktivitäten außerhalb der wochenenden wäre ganz nett.
nächste woche vertrete ich am 31.12., 1.1. und 3.1. meine kollegin (außerhalb der insg. knapp 3 wochen schulferien können die sich kein urlaub nehmen), d.h. ich hab kein silvester.
ich ersetze mit meiner arbeit eine vollwertige pflegerin – ich klaue arbeitsplätze. und trotzdem sind alle ganz nett zu mir und bedanken sich sogar am ende des tages. wahrscheinlich wissen sie es nicht – wobei alle den fakt kennen, dass ich sogar noch weniger geld für die arbeit bekomme als sie!
meschugge!

gedenkveranstaltung an den 9.11.1938

12. November 2009

gemeinsam mit einem der älteren herren (95), die ich 1-2 mal die woche besuche und einigen anderen jeckes bin ich am 9.11. auf die gedenkveranstaltung an die reichspogromnacht in der nähe von hadera im kibutz givat chaiim gefahren. es war alles auf hebräisch, weswegen ich nur dank der sporadischen flüster übersetzung etwas vertanden habe und nicht wirklich ausführlich berichten kann.

folgender artikel verrät mehr: http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/zurueck-in-die-vergangenheit-1/

auf hebräisch wird nur von der kristallnacht gesprochen. in deutschland schrecke ich wegen dem positiv konnotierten wort „kristall“ immer auf, wenn das jemand so benutzt. hier waren sich einige der leute, mit denen ich mich unterhielt, der großen feierlichkeiten in deutschland zum 20. jahrestag der absoluten freiheit bewusster als dem 71. jahrestag der reichspogromnacht.

ich bewundere all die besucher_innen der gedenkveranstaltung so sehr, mit wieviel Interesse und Offenheit sie auf uns deutsche Freiwilligen zugehen.

20.4.2010

21. Oktober 2009

Unabhängigkeitstag in Israel und somit Riesenparty hier.

so ironisch.

busfahren

19. Oktober 2009

sonntag, dienstag, mittwoch und donnerstag fahre ich jeden morgen und jeden nachmittag bzw. abend je 1,5 stunden bus.
im vergleich dazu: bei meinen vorherigen besuchen wurde uns busfahren gänzlich verboten, in deutschland gabs damals noch den tip mit auf den weg, immer ganz hinten sitzen.
heute ist mein stammplatz immernoch fast ganz hinten. das liegt aber nicht an der angst vor einem attentat, die ist irgendwie gar nicht in meinem kopf, sondern viel mehr daran, dass es unbedingt notwendig ist in israelischen bussen vorwärts zu sitzen. wer steht hat eh komplett verloren und rückwärtssitzenden wird schlecht, egal wie stark der magen ist – wer was anderes sagt lügt!

obs ein zeichen für die dörflichkeit haifas ist, verglichen mit berlin? wer weiß. auf jeden fall fahre ich jeden der gegannten morgen mit dem gleichen busfahrer. der trägt eine schiebermütze und scheint ganz nett. aber ich bin berlin gewohnt und hier ist alles anders. besonders die busfahrer sind entspannter – es kann sein, dass große gruppen mit gepäck für ein jahr einsteigen, alle fahrkarten kaufen müssen und der bus über 5 minuten dafür steht und dennoch gibts keine maulerei.
mein fahrer hat eine freundin, die jeden morgen an der gleichen haltestelle einsteigt und immer vorm krankenhaus für den fahrer und einige fahrgäste die kostenlose zeitung holt, die dort verteilt wird. wenn sie wieder eingestiegen ist guckt sie in die runde und alle die ne zeitung wollen melden sich. ich find das alles sehr beeindruckend.

und die kontrolleure? die sind alte gemütliche typen in uniform, die gemach gemach durch den bus laufen, vielleicht alle paar wochen mal…und in berlin?

Yom Kippur und wirre religiösität

29. September 2009

An Yom Kippur, als Tag an dem Gott laut jüdischen Glauben entscheidet ob du ins buch der Lebenden oder eben nicht geschrieben wirst, muss das absolute nicht arbeiten noch strenger eingehalten werden als am Shabat. Auf den Straßen in Jerusalem laufen die Leute, da alle ihre Autos stehen lassen. Es herrscht angenehme Ruhe, es wird (draußen) nichts gegessen, nicht getrunken und nicht mal geraucht.
Für die Kinder scheint es der schönste abend im jahr zu sein, viele scheinen zum ersten (und einzigen) mal fahrrad zu fahren, die straße gehört ihnen, sie müssen auch nicht fasten.

yom kippur

Dank des Wahlabends ist der Großteil der Gruppe weggewesen auf einer Party und wir saßen zum Teil schlechten Wodka aus einer 1,75L-Falsche trinkend (sündigend) im Seminarhaus. Eine Frau, trotz warmen Wetter lange klamotten an, fragt uns, ob wir zufällig nicht-juden sind und ihr helfen könnten, sie hat eine flamme angelassen. Sie ist 2 Straßen gelaufen, hin und zurück, um nicht den Knopf der Gasflamme zu drehen. Zum Dank haben m. und ich leckere deutsche schokolade bekommen, absolute mangelware hier und deswegen wurde sie auch gleich von meiner mitbewohnerin weggefuttert, ohne dass ich ein stück abbekommen habe. Wir verabschiedeten uns von der sehr netten und tatsächlich gesprächigen Frau mit „chag sameach“, sie sagte: „You saved me.“

später am abend spazierten wir zur nächst größeren Kreuzung wo sich schon seit einer weile jugendliche angesammelt hatten. viele trugen weiß, waren rausgepuzt, haben ihre hunde mit (u.a. 3 mopshunde!), ein großteil trug kippas.
gruselig wurde es, als 2 junge männer, mit handy telefonierend und in provozierender mannier den bis dahin nett quatschenden jugendlichen zuriefen, wir vermuten dass es arabische muslime waren. Die stimmung wandelte sich, trotz polizeipräsenz ziemlich schnell. zwei, drei steine flogen auf sie, ein jugendlicher holte eine latte und der mop lief den 2 provokateuren hinter her, bis diese irgendwann sehr schnell rennend auf einen hof flüchteten. die polizei griff erst ein, als es nicht mehr anders ging. trotz dieser eskalation war die stimmung unter den leuten immernoch entspannt, diese kurze jagd wurde wie nebenbei erledigt. Wie das steinewerfen auf trotz yom kippur vorbeifahrende autos (trotz anwesender polizei!)… kommt ein auto gefahren gehen alle zuschauer_innen aus der wurflinie.
mit der zeit griff die polizei dann doch zunehmender ein, die festnahmen wurden rabiater, die menge richtete aber kaum ihren zorn gegen die polizisten. Diese brauchten nur kurz ihren schlagstock durch die luft zu schwingen, und alle wichen zurück.
die leute haben keinen alkohol konsumiert, alles nur aggressionen… merkwürdiges gesellschaftliches phänomen. vielleicht war es nur ein einzelbeispiel. jerusalem halt.

pretty shocking.

touriglück in der westbank

18. September 2009

gestern abend sind wir (m., j. und ich) nach Bayt Jala gefahren um dort einen mitschüler von m. zu besuchen. erste schwierigkeit war zu realisieren, dass sobald es dunkel wird (also 18:30/19uhr) bestimmte arabische shirut nicht mehr fahren. zum beispiel der bus nach bayt jala.

kurzerhand nahmen wir den bus nach bethlechem, zum berüchtigten checkpoint. innerhalb weniger minuten waren wir an der mauer und dem irrgartnähnlichen, aber um diese uhrzeit menschenverlassenen grenzkontrollen, morgens soll es dort die hölle sein. wir wurden kaum angeguckt, nur durchgewunken. die andere seite der mauer ist mit politischen parolen versehen. weiter gings mit taxi und halsbrecherischer fahrt nach bayt jala, zu einer deutsch-christlichen schule auf einem hügel.
die vorfreude und der hunger war groß, allerdings mehr bei m. und j. die schon fast tränen in den augen hatten vor hunger auf fleisch. verrückt.
noch mal bier gekauft und festgestellt, dass dieses gebiet definitiv geeigneter ist für meine cola sucht. nur 3 shkalim die flasche.
mein vorhaben an diesem abend nicht über den konflikt zu reden war schnell totaler bullshit, die deutschen freiwilligen dort haben großen redebedarf, auf der party waren auch christliche palästinenser. trotzdem wir uns wahrscheinlich gegenseitig nicht richtig zugehört haben, hatten wir danach eine menge spaß zusammen. vielleicht war es notwendig, aber auf jeden fall war es extrem interessant…

um nicht 100shkalim fürs taxi zu blechn fuhren wir erst am nächsten morgen für 6NIS each zurück nach jerusalem. langsam habe ich das gefühl mich an das nicht existieren von fahrplänen für die shiruts zu gewöhnen. zurück durch den checkpoint wurde uns ebenfalls in schillernden farben als stressig lang beschrieben, und wieder hatten wir enormes glück und waren pünktlich beim hebräisch kurs nach einer durchgemachten nacht.

EDIT:

wir sind aufs dach der schule geklettert und hatten einen beeindruckenden blick auf die umgebung – größtenteils nicht beleuchtet. Ausnahme natürlich der checkpoint:

Checkpoint bei Nacht

beim warten auf den bus hat uns nicht nur ein kleiner verrückter hund gesellschaft geleistet – wir waren auch umgeben von einem massiven müllproblem. die Hügel in der Umgebung sind alle mit kleinen treppenterassen bebaut.

Bayt Jallah Umgebung


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